Bauberatung – Basiswissen mit Bauherreninformationen und Lesetipps

Bauen – Ein komplexer Prozess

Bauen ist ein komplexes Programm mit hohem Wertungspotential. Das gilt für den privaten Bereich ebenso, wie für den öffentlichen Sektor. Nicht nur das Endprodukt, ein Bauwerk, stets ein Unikat, wird in seiner Gestaltung und Nutzung bewertet, sondern auch die Planung sowie der gesamte Bauverlauf.

Gewertet wird dieser vielschichtige Prozess sowohl von den unterschiedlichen Auftraggebern, den Genehmigungs- und Prüfbehörden, den Auftragnehmern (Bauunternehmen, Handwerkern) sowie umfassend von der Öffentlichkeit.

Insbesondere sind es solche sichtbaren Faktoren wie Ablauf / Technologie, Bauzeit, Randbedingungen (Bauorganisation), Baumängel (Qualität) und das Auftreten der Akteure (Kommunikation), die das Bild des konkreten Bauens prägen.

Es ist jedoch vor allem eine Aufgabe, deren Bewältigung einer qualifizierten Planung, Vorbereitung, Entscheidung und Umsetzung bedarf. Das gilt für Neubauten ebenso, wie für Um- und Ausbau im Bestand oder komplexe Reparatur- und Restaurierungsleistungen. Diese, nicht zu unterschätzende „Unternehmung“, erfordert eine professionelle Beratung und Begleitung, die Bauberatung. Quasi eine „Sonderform der Unternehmensberatung“.

Die Aufgaben eines Bauberaters

Die Bauberatung ist eine besondere Form der Entscheidungs- und Umsetzungshilfe für bauwillige Partner. Egal ob private oder öffentliche Bauherren. Art und Umfang hängen von der konkreten Bauaufgabe und den dazu festgelegten oder vereinbarten Rahmenbedingungen ab. Wesentlicher Inhalt ist die professionelle, fachliche Unterstützung des Bauauftraggebers, beginnend in der Entscheidungsphase.

Hierbei geht es um wichtige Fragen, wie:

  1. Ob oder ob nicht gebaut werden soll und kann
  2. Wo und was gebaut werden soll
  3. Wie gebaut werden soll
  4. Die Finanzierung, Planung, Genehmigung, Ausschreibung der Leistungen einschließlich Auswahl der ausführenden Unternehmen / Handwerker
  5. Bauablauf, Abnahme / Gewährleistung und künftige Nutzung.

Mit der Bauberatung wird der Prozess von der Idee bis zum Endprodukt gedanklich aufgearbeitet und für den Bauherren begleitend bearbeitet. Diese ist damit ein wichtiger und zunehmend erfolgsentscheidender Faktor für die qualifizierte Sicherung einer Bauaufgabe mit Komponenten wie Standortwahl, Objektplanung, Finanzierung, Genehmigung sowie Realisierung. Diese Aufgabe verlangt den Einsatz eines professionellen Bauberaters als Baupartner und Mittler in Einem.

Die Anforderungen an den Bauberater

Bauberater sollte sein: eine fachlich gut ausgebildete, sich im speziellen Baumetier auskennende, kompetente und zuverlässeige Person mit hohem Erfahrungspotential und Verantwortungsbewusstsein sowie einer besonderen Fähigkeit zur konsequenten und zugleich moderierenden Kommunikation im Sinne des Auftraggebers. Damit kommt neben der fachlichen, auch einer sozialen Kompetenz sowie hohem Vertrauen zu und Akzeptanz bei den beteiligten Partnern, eine entscheidende Bedeutung zu.

Selbstverständlich werden grundsätzliche sowie spezielle, anwendungsreife Kenntnisse in allen baurechtlichen, fachlichen und finanziellen, sowie weiteren Belangen vorausgesetzt. Situatives Reagieren auf Normabweichungen, veränderte Anforderungen des Bauherren und weitere Flexibilitätsfaktoren runden das Bild eines qualizierten Bauberaters ab.

Der erfolgreiche Bauberater hat in jahrelanger Arbeit an verschiedenen, unterschiedlichen Projekten und Aufgaben seine Erfahrungen gesammelt und seine Kompetenz unter Beweis gestellt. Er kann dies durch echte Referenzen belegen. Bauberater ist kein Ausbildungsberuf, Studienfach oder Berufseinstieg, sondern eine spezielle Tätigkeit, die umfangreiches Wissen, Erfahrung und Einfühlungsvermögen erfordert.

Bauberater ist kein gesetzlich geschützter Titel, in der deutschen Praxis jedoch eine gängige, überwiegend freiberufliche Tätigkeit (Unabhängigkeit) mit klar definierter, sowie (zumeist) vertraglich vereinbarter Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung. Dabei kommt der versicherungsrechtlichen Relevanz (Berufshaftpflicht) sowie einer entsprechenden Kammerzugehörigkeit (zum Beispiel als Beratender Ingenieur – Ingenieurkammer) eine besondere Bedeutung zu und ist nicht zu unterschätzen.

Spezielle Aspekte des Beratungsprozesses

Eine Bauherrenberatung unterscheidet sich je nach Auftraggeber und zu bauenden Objekt.

Der Privatsektor

Im privatem Bereich geht es vor allem um die Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsfindung für eine Bauaufgabe (zum Beispiel Bau eines Wohnhauses) sowie den damit verbundenen, umfangreichen Planungs-, Genehmigungs- und Vorbereitungsprozess.

Von besonderer Bedeutung für den Privatbauherren ist überdies eine qualifizierte Ausschreibung der Bauaufgabe zur Erlangung eines günstigen Baupreises sowie zur Findung des oder der entsprechenden Ausführungspartner.

Da er die allseitige Entscheidungsfreiheit hat, ist die Beratung sehr persönlich und die Kommunikation mitunter auch emotional geprägt. Dafür ist der Entscheidungsweg meist kurz. Wichtig ist zudem eine vertrauensvolle Begleitung der Bauausführung einschließlich einer konsequenten und zeitnahen Reaktion auf Abweichungen von den vereinbarten Vorgaben. Das persönliche Vertrauenverhältnis der Baupartner ist dabei erfolgsentscheidend.

Öffentlicher / unternehmerischer Bereich

Hier gilt Analoges zum Privatsektor. Ein entscheidender Unterschied liegt im Verfahren und den handelnden Personen. Im öffentlichen Bereich gilt die Öffentliche Ausschreibung. Das heißt die Wahl der Partner für Planung und insbesondere Ausführung wird über das wirtschaftlichste Angebot bestimmt. Überdies handeln die Entscheidungspersonen im Auftrag. Damit ist die Rolle des Bauberaters vertraglich verbindlicher definiert und wird entsprechend gewertet. Das Verhältnis und mitunter auch die Kommunikation sind oft „nüchtern“, die Entscheidungswege länger.

Fazit zum Thema Bauberatung

Qualifizierte Bauberatung ist eine besondere Dienstleistung, die zunehmend am Markt nachgefragt wird, da Bauprozesse, Planung, Genehmigung und Finanzierung besonders eingeschlossen, immer komplexer und komplizierter werden. Deshalb werden bei der Beratung und ihren Akteuren hohe fachliche, unternehmerische und moderierend-kommunikative Kompetenzen vorausgesetzt.

Lesetipp Handbuch für Bauherren

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