Sanierungsberatung – alles was Sie wissen müssen

Im wirtschaftlichen Bereich versteht man unter Sanierung zunächst grundsätzlich alle Maßnahmen innerhalb eines Unternehmens, die zu einer Wiederherstellung von existenzerhaltenden Gewinnen führen. In diesem Zusammenhang fällt auch immer der Begriff Krise oder Unternehmenskrise.

Unter dem Begriff werden im Unternehmenskontext grundsätzlich alle betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und auch rechtlichen Initiativen zusammengefasst, die der Bewältigung von Unternehmensproblemen dienen.

In Anbetracht der vielen gescheiterten Sanierungen und damit einhergehmenden Unternehmensliquidierungen kann es kein allumfassendes Patentrezept für eine Unternehmenssanierung geben.

Jede Situation ist individuell, einzigartig und nicht selten auch hoch komplex. Um diese einzigartigen und komplexen Situationen bewältigen zu können, bedarf es bestimmter Sanierungsspezialisten.

Sanierungsberater bieten demnach ihre Dienstleistung Unternehmen an, um sie bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen. Nicht selten geht es dabei um das pure Überleben.

Ziel der Sanierungsberatung ist es, alles Notwendige zur Gesundung eines Unternehmens zu ergreifen. Allerdings nicht um jeden Preis: Besteht keine begründete Aussicht auf Erfolg, sollte das Unternehmen lieber in geordneten Bahnen abgewickelt werden.

Abgrenzung zu Turnaround und Restrukturierung

Der Begriff sollte klar von den Begriffen Turnaround und Restrukturierung abgegrenzt werden. Die Abgrenzung zu einer Turnaround-Maßnahme bezieht sich auf die Krisenphasen, in denen sie zur Anwendung kommen.

Ein Turnaround wird in der Regel noch vor, spätestens aber zu Beginn einer Krise erfolgen. Ist die Unternehmenskrise bereits akut und fortgeschritten, müssen andere Ansätze ergriffen werden.

Eine Restrukturierung oder Reorganisation setzt in der Regel keine Krise voraus wie etwa bei einem Turnaround. Eine Restrukturierung erfolgt im Rahmen des strategischen Managements mit dem Ziel, dass das Unternehmen wieder langfristig Gewinne macht.

Gründe für eine Sanierungsberatung

Gründe für eine Sanierungsberatung gibt es viele. Wichtig aber ist, dass eine Krise vorliegen muss, um von dem Sanierungsbegriff zu sprechen. Eine Krise kann sich auf vielerlei Weise auf die Existenz einer Firma auswirken.

Beispielsweise wenn der Betrieb dauerhaft Verluste erwirtschaftet und gegebenenfalls bereits das Eigenkapital angegriffen wurde, droht die akute Gefahr einer Überschuldung des Unternehmens. Eine Überschuldung ist genauso ein Insolvenzgrund wie eine (drohende) Zahlungsunfähigkeit.

Eine Zahlungsunfähigkeit liegt immer dann vor, wenn das Unternehmen fällige Verbindlichkeiten nicht mehr oder nicht mehr im ausreichenden Maße bedienen kann. In der Sanierungsberatung werden mögliche Ursache für die Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit aufgespürt, analysiert, Vorgehensweise abgeleitet und umgesetzt.

Dabei können unterschiedliche Gründe durch unterschiedliche Sanierungsarten beseitigt werden. Übergeordnetes Ziel der Sanierungsberatung aber bleibt es, Verluste dauerhaft zu beseitigen und das Unternehmen auf den Weg zu kapitalerhaltenden Gewinnen zurückzuführen.

Arten und Vorgehensweisen der Sanierungsberatung

Grundsätzlich kann man vier Sanierungsarten voneinander unterscheiden: Portfoliosanierung, organisatorische, finanzielle und behavioristische Sanierung.

Die Portfoliosanierung

Bei der Portfoliosanierung liegt der Fokus aller Aktivitäten auf der Strategie des zu sanierenden Unternehmens. Das heißt, hier ist es die Aufgabe des Beraters Gedanken zur Optimierung des Portfolios (Produkte, Dienstleistungen, Projekte, Marken et cetera) unter Wertsteigerungsgesichtspunkten zu entwickeln und umzusetzen.

Von besonderem Interesse sind dabei unter anderem Risiko, Wachstum und Rendite des Portfolios. In der Regel geht die Portfoliosanierung mit einer Konzentration auf die sogenannten Kerngeschäftsfelder einher.

Dies kann unter anderem durch Desinvestition aber auch durch Schließung, einer Abspaltung einer Geschäftseinheit aus dem Unternehmen beziehungsweise Ausgründung in einer eigenständige Firma (Spin Out) oder durch Outsourcing (Auslagerung beziehungsweise Abgabe an ein Drittunternehmen) erfolgen.

Zur Portfoliosanierung gehört ebenfalls, dass das Unternehmen sich konsequent auf die Steuerung seiner strategischen Geschäftsfelder konzentriert, die durch Finanz-, Leistungs- und Marktziele vorgegeben werden.

Die organisatorische Sanierung

Dieser Ansatz hat dagegen die Konzernarchitektur im Auge. Das heißt, hierbei geht es vor allem um Aktivitäten zur Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation, wobei Aufbau- und Ablauforganisationen sich gegenseitig bedingen, was auch bei der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich immer beachtet werden muss (Systemische Denkweise, auch bekannt aus der Metaberatung).

In diesen Bereich gehören auch die Optimierung der Systeme und Schnittstellen (Prozessmanagement, Leistungsbemessung) sowie die soziotechnischen Infrastrukturen, in deren Mittelpunkt die Mitarbeiter der Organisation stehen.

Die finanzielle Sanierung

Im Rahmen dieser Sanierungsart geht es grundsätzlich um die Wertsicherung, Wertgenerierung und Wertverteilung im Unternehmen. Das heißt, der Sanierungsberater erarbeitet Vorschläge und Strategien, wie neue Finanzierungs- und Kapitalquellen erschlossen und bestehende abgesichert werden können.

Die Zuführung von neuem Kapital etwa im Rahmen der Eigenfinanzierung durch Kapitalerhöhung oder dem Verkauf von nicht benötigten Gütern, gehört genauso zur finanziellen Sanierung wie die Zuführung von neuem Kapital durch Fremdfinanzierung (zum Beispiel durch Schuldenerlass, Zahlungsaufschub bei den Gläubigern oder Aufnahme neuer Kredite).

Eine weitere Möglichkeit stellt die reine Gesundung der Finanzen dar. Dabei werden Rücklagen mit dem Jahresfehlbetrag verrechnet, wodurch sich das Nominalkapital zunächst nicht ändert.

Die behavioristische Sanierung

Bei diesem Ansatz wird eine andere Richtung eingeschlagen. Hier liegt der Fokus auf dem Verhalten bzw. entsprechenden Verhaltensänderungen. Dies kann beispielsweise die Führungskultur in einem Unternehmen betreffen, indem beispielsweise die Macht- und Opportunitätslenkung neu geregelt wird.

Hierzu gehört auch die Verbesserung von Verhaltensmustern und Routinen der Führungskräfte und Angestellten des Unternehmens. Diese können beispielsweise durch Anreiz- oder Sanktionssysteme verändert werden.

Interne versus externe Sanierungsmaßnahmen

Neben den unterschiedlichen Sanierungsarten gibt es auch verschiedene Sanierungsmaßnahmen, die sich regelmäßig in den unterschiedlichen Arten wiederfinden, meist nur mit einem anderen Fokus aber immer mit der gleichen Zielintention.

Dabei lassen sich interne und externe Vorgehensweisen unterscheiden. Die internen Lösungen wurden zum Großteil bereits im Rahmen der Sanierungsarten erläutert.

Externe Aktivitäten dagegen werden häufig in Kooperation mit den Gläubigern durchgeführt, da diese zum Teil ein erhebliches Interesse haben, dass das Unternehmen nicht pleitegeht und dadurch möglicherweise der Großteil der noch offenen Forderungen unerfüllt bleiben.

Insbesondere Kreditinstitute und Lieferanten haben daran ein besonderes Interesse. Durch externe Aktivitäten können diese Gläubiger konkret zur Sanierung eines Unternehmens beitragen, etwa durch Stundung, Umschuldung oder Schuldenerlass.

In diesem Fall kann der Sanierungsberater zwischen Schuldner und Gläubiger vermitteln und moderieren. Von einer Sanierung im engeren Sinne spricht man in der Regel, wenn es sich hauptsächlich um finanzwirtschaftliche Aspekte handelt, die die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit schnellstmöglich beseitigen beziehungsweise abwenden sollen.

Bei Sanierungsmaßnahme im weiteren Sinne wird dagegen versucht nicht nur durch finanzwirtschaftliche sondern auch durch leistungswirtschaftliche Lösungen das angeschlagene Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen, damit das Unternehmen auch wieder langfristig überlebensfähig wird.

Die Anforderungen an einen Sanierungsberater

Die Anforderungen an Sanierungsberater sind entsprechend hoch. Neben sehr guten betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und steuerrechtlichen Kenntnissen müssen sie auch über eine hervorragende Auffassungsgabe verfügen, komplexe Situationen schnell erfassen und geeignete Vorgehensweisen ableiten können.

Zudem können Moderations-, Verhandlungs- und Kommunikationsgeschick nicht schaden. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu behalten.