Nachfolgeberatung

Was ist überhaupt eine Nachfolgeberatung?

Schätzungen von Experten zur Folge suchen in den kommenden acht bis zehn Jahren etwa 131.000 mittelständische Unternehmen intern oder extern einen Nachfolger. 2010 registrierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dass 1.800 kerngesunde Unternehmen trotz laufender Geschäfte und guter Umsätze geschlossen werden mussten. Grund: Es mangelte an einem geeigneten Kandidaten für die Unternehmensführung. Das heißt, durch die Schließung dieser Unternehmen gingen ca. 23.000 Arbeitsplätze ohne Grund und für immer verloren.

Lesetipp: Die 10 Gebote der erfolgreichen Unternehmensnachfolge: Gut gerüstet in jeder Situation - egal ob für die Betriebsübergabe innerhalb der Familie, an ... an einen externen Übernehmer *

Nachfolgeberatung ist eine (existenzsichernde) Beratungsdienstleistung für Unternehmen, die einen Nachfolger für die Unternehmensführung suchen. Dabei muss sich die Suche nicht nur auf einen internen Kandidaten beschränken, wie es beispielsweise bei vielen familiengeführten Betrieben der Fall ist, sondern kann sich auch auf externe Bewerber erstrecken, was in den meisten Unternehmen der Fall sein wird. Die Suche nach externen Bewerbern ist die häufigere Unternehmensnachfolgeregelung, weil es in vielen familiengeführten Unternehmen schlichtweg an potentiellen Nachfolgern mangelt.

Mittel- bis langfristige Begleitung

Die Nachfolgeregelung in Unternehmen ist eine mittel- bis langfristige Angelegenheit. Schon früh sollten sich Unternehmensinhaber über die Nachfolge (beispielsweise durch die Übernahme der Firma durch eines der Kinder, Angehörigen aus dem Führungskreis des Unternehmens oder durch Unternehmensverkauf an einen externen Nachfolger) Gedanken machen.

Ein Nachfolgeberater kann die Unternehmensleitung dabei unterstützen geeignete Kriterien für die Nachfolgeregelung aufzustellen und eine Vision des idealen Nachfolgers entwickeln. Da eine tragfähige Regelung nicht innerhalb einiger Monate erledigt ist, sollte mit diesen Planung möglichst frühzeitig begonnen werden. Anschließend kann der Nachfolgeberater oder ein Spezialist für Human Resource bzw. Recruiting (sogenannte Headhunter) mit der Suche nach geeigneten Kandidaten beginnen.

Der Vorteil für die Unternehmensleitung ist, dass sie die meist zeitintensive Suche nach geeigneten Kandidaten an einen ausgewiesenen Experten abgeben und sich selber weiterhin um das tägliche Geschäft kümmern kann. Wurden geeignete Kandidaten gefunden, beispielsweise auf Nachfolgeberatung spezialisierten Internetplattformen, werden diese nach einem gründliche Abgleich mit der entwickelten Idealbesetzung der Unternehmensleitung vorgestellt.

Dadurch kann sichergestellt werden, dass der Unternehmensinhaber die Nachfolgersuche nicht komplett aus der Hand gibt, sondern die wichtigsten Entscheidungen nach wie vor selbst trifft. Das ist gerade für den Inhaber eines inhaber- oder familiengeführte Unternehmens besonders wichtig.

Wurden die potentiellen Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft, kann die Suche entweder abgeschlossen werden, weil der geeignetste Kandidat gefunden wurde, oder die Suche weiter betrieben werden. Hier achtet der Nachfolgeberater jedoch darauf, die Suche nicht ins unendlich auszudehnen, da es zum einen kaum das Idealbild von einem Nachfolger für den Inhaber geben wird und zum anderen weil manchen Unternehmern schlichtweg die Zeit davon läuft – vor allem dann, wenn mit der Suche nach geeigneten Kandidaten erst spät, manchmal auch zu spät, begonnen wurde.

Begleitung bis zur Übergabe

Nachfolgeberater sollten über ein ausgeprägtes Netzwerk verfügen. Das schließt nicht nur potentielle Interessenten ein, sondern in der Regel auch Anwälte (um die Übergaben juristisch abzusichern), Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, die das Unternehmen vor Übergabe auf Herz und Nieren prüfen können, bis hin zu intensiven Kontakten zu Banken, Joint-Venture-Partnern oder anderen Geldgebern.

Zwar hat der Nachfolgeberater in der Regel nur ein Mandat für den Unternehmensinhaber, aber praktisch profitiert davon auch der potentielle Unternehmenskäufer. Denn eine Unternehmensnachfolge kostet Geld, viel Geld. Da die wenigsten über entsprechende finanzielle Mittel verfügen, lohnt sich daher ein Rückgriff auf die Kontakte und das Netzwerk des Nachfolgeberaters für beide Seiten.

Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Nachfolgemodelle. Diese sollte der Nachfolgeberater beherrschen und anhand der individuellen Situation und Lage des Unternehmens, des Inhabers und Nachfolgers vorschlagen, begleiten und ggf. anpassen können.

Zu den weiteren Aufgaben gehört auch, dem Unternehmer bei der Verhandlung über die Nachfolge zu beraten und notfalls auch vermittelnd einzugreifen, denn oftmals kennt der Nachfolgeberater beide Seiten ganz gut. Das er dadurch eine gewisse Gradwanderung vollzieht, wenn er moderierend in den Prozess eingreifen sollte, muss dem Nachfolgeberater jederzeit bewusst sein. Um einen Interessenkonflikt von vorne herein auszuschließen, sollte ein externen Moderator für die Übergabeverhandlungen einbezogen werden.

Ähnlich wie ein Projektmanager erstellt der Nachfolgeberater in Zusammenarbeit mit Verkäufer und Käufer einen Übergabeplan des Unternehmens. Für eine gelungene Regelung braucht es zwischen drei und fünf Jahren. In dieser Zeit muss sich der Neue mit der Firma vertraut machen und Stück für Stück Verantwortung übernehmen.

Der Alte dagegen muss lernen Stück für Stück los zu lassen und sich langsam aus dem alltäglichen Geschäfts zurückziehen. Ggf. kann der Übergabeprozess auch schneller verlaufen, wenn der Nachfolger beispielsweise aus den Reihen der Inhaberfamilie oder das Unternehmens selbst kommt (in diesem Fall würde die Kennlern- und Einarbeitungsphase wesentlich verkürzt werden).

Doch gerade für den Senior ist es oft schwer sich von seinem Unternehmen zu trennen. Nicht selten stellt der Betrieb sein Lebenswerk dar. Dessen muss sich der Nachfolgeberater ebenfalls immer bewusst sein und mit den Widerständen des Seniors umgehen können.

Anforderungen an Nachfolgeberater

Wie bereits angedeutet müssen Nachfolgeberater über ein ganzes Portfolio an Fähigkeiten und Kenntnissen verfügen. In der Regel arbeiten sie daher mit einem Team aus verschiedenen Spezialisten zusammen, die Teile der Nachfolgeberatung übernehmen (HR-Spezialisten für die Nachfolgersuche, Steuerberater/Wirtschaftsprüfer für die Bewertung des Unternehmens, Juristen für die rechtliche Absicherung der Nachfolge etc.).

Neben betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Kenntnissen sollte ein Nachfolgeberater unbedingt auch über gutes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen verfügen. Vor allem die bisherigen Unternehmensinhaber haben oft ein Problem damit, los zu lassen. Mit den Ängsten, Befürchtungen und Widerständen muss der Nachfolgeberater umgehen können.

Er sollte daher nicht nur ein guter betriebswirtschaftlicher und juristischer Berater sein, sondern auch Coach für Senior und nicht selten auch für den Junior. Oft hängt die erfolgreiche Unternehmensnachfolge und -übergabe von den Fähigkeiten des Nachfolgeberaters ab.

Der Markt für Nachfolgeberater

Der Markt für Nachfolgeberater ist stabil. Wie bereits oben angedeutet, suchen in den kommenden acht bis zehn Jahren circa 131.000 Unternehmen in Deutschland einen Unternehmensnachfolger. Egal für welche Nachfolgeregelung (interne oder externe Regelung) oder Modell sie sich entscheiden, die Meisten werden die Übergabe kaum ohne professionelle Unterstützung und Beratung bewältigen können. Darüber hinaus ist die Nachfolgeberatung ein zeitintensiver Prozess, der sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Daher verfügen die meisten Nachfolgeberater nur über begrenzte Kapazitäten.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr professionelle Vermittlungsplattform für Nachfolgesucher und potentielle Nachfolger. Hier ergeben sich interessante Betätigungsfelder für Nachfolgeberater. Darüber hinaus wird der Unternehmensverkauf und dadurch auch die Nachfolgeberatung durch verschiedene Initiativen wie beispielsweise nexxt-change, eine Nachfolgebörse des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert und unterstützt.

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