Nachfolgeberatung – Alles was Sie dazu wissen müssen

Schätzungen von Experten zur Folge suchen in den kommenden acht bis zehn Jahren etwa 131.000 mittelständische Unternehmen intern oder extern einen Nachfolger.

2015 registrierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dass 1.800 kerngesunde Firmen trotz laufender Geschäfte und guter Umsätze geschlossen werden mussten.

Grund: Es mangelte an einem geeigneten Kandidaten für die Unternehmensführung.

Das heißt, durch die Schließung dieser Betriebe gingen circa 23.000 Arbeitsplätze ohne Not verloren. Nachfolgeberatung ist eine (existenzsichernde) Beratungsdienstleistung für Unternehmen, die einen Kandidaten für die Unternehmensführung suchen.

Dabei muss sich die Suche nicht nur auf einen internen Kandidaten beschränken, wie es beispielsweise bei vielen familiengeführten Betrieben der Fall ist, sondern kann sich auch auf externe Bewerber erstrecken, was in den meisten Firmen der Fall sein wird.

Nachfolgeberatung als mittel- bis langfristige Begleitung

Die Nachfolgeregelung in Unternehmen ist eine mittel- bis langfristige Angelegenheit. Schon früh sollten sich Unternehmensinhaber über die Nachfolge (beispielsweise durch die Übernahme der Firma durch eines der Kinder, Angehörigen aus dem Führungskreis des Unternehmens oder durch Unternehmensverkauf an einen Externen) Gedanken machen.

Ein Nachfolgeberater kann die Unternehmensleitung dabei unterstützen geeignete Kriterien für die Nachfolgeregelung aufzustellen und eine Vision des idealen Nachfolgers zu entwickeln.

Nachfolgeregelung frühzeitig in Angriff nehmen

Da eine Unternehmensnachfolge nicht innerhalb einiger Monate erledigt ist, sollte mit diesen Planungen möglichst frühzeitig begonnen werden.

Anschließend kann der Nachfolgeberater oder ein Spezialist für Human Resource beziehungsweise Recruiting (Headhunter) mit der Suche nach geeigneten Kandidaten beginnen.

Der Vorteil für die Unternehmensleitung ist, dass sie die meist zeitintensive Suche nach geeigneten Kandidaten an einen ausgewiesenen Experten abgeben und sich selber weiterhin um das tägliche Geschäft kümmern kann.

Wurden geeignete Kandidaten gefunden, werden diese nach einem gründlichen Abgleich mit der zuvor entwickelten Idealbesetzung der Unternehmensleitung vorgestellt.

Den idealen Nachfolger gibt es kaum

Wurden die potentiellen Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft, kann die Suche entweder abgeschlossen werden, weil der geeignete Kandidat gefunden wurde, oder die Suche geht in eine weitere Runde.

Hier muss der Nachfolgeberater jedoch darauf achten, das die Suche nicht ausufert, da es zum einen kaum den zu 100% perfekten Kandidaten geben wird und zum anderen weil manchen Unternehmern schlichtweg die Zeit davon läuft – vor allem dann, wenn mit der Suche nach geeigneten Kandidaten erst spät, manchmal auch zu spät, begonnen wurde.

Nachfolgeberatung bietet Begleitung bis zur Übergabe

Nachfolgeberater sollten über ein ausgeprägtes Netzwerk verfügen. Das schließt nicht nur potentielle Übernehmer ein, sondern in der Regel auch Anwälte (um die Übergaben juristisch abzusichern), Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, die das Unternehmen vor Übergabe auf Herz und Nieren prüfen können, bis hin zu intensiven Kontakten zu Banken, Joint-Venture-Partnern oder anderen Geldgebern.

Zwar hat der Nachfolgeberater in der Regel nur ein Mandat für den Unternehmensinhaber, aber praktisch profitiert davon auch der potentielle Unternehmensnachfolger, denn eine Unternehmensnachfolge kostet Geld – viel Geld.

Da die wenigsten über entsprechende finanzielle Mittel verfügen, lohnt sich daher ein Rückgriff auf die Kontakte und das Netzwerk des Nachfolgeberaters für beide Seiten.

Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Nachfolgemodelle. Diese sollte der Nachfolgeberater beherrschen und anhand der individuellen Situation und Lage des Unternehmens den Inhabern und potentiellen Nachfolgern vorschlagen, diese begleiten und ggf. anpassen können.

In allen Phasen sind gute Kontakte und Vermittlungsgeschick gefragt

Zu den weiteren Aufgaben gehört auch, den Unternehmer bei der Verhandlung über die Nachfolge zu beraten und notfalls auch vermittelnd einzugreifen, denn oftmals kennt der Nachfolgeberater beide Seiten ganz gut.

Das er dadurch eine gewisse Gradwanderung vollzieht, wenn er moderierend in den Prozess eingreift, muss dem Nachfolgeberater jederzeit bewusst sein.

Um einen Interessenkonflikt von vorne herein auszuschließen, sollte ein externer Moderator in die Übergabeverhandlungen einbezogen werden.

Ähnlich wie ein Projektmanager erstellt der Nachfolgeberater in Zusammenarbeit mit Verkäufer und Käufer einen Übergabeplan des Unternehmens.

Dieser kann, je nach Situation, auch mehrere Jahre umfassen. In dieser Zeit muss sich der Neue mit dem Betrieb vertraut machen und Stück für Stück Verantwortung übernehmen.

Der Alte dagegen muss lernen Stück für Stück los zu lassen und sich langsam aus dem alltäglichen Geschäft zurückzuziehen. Nicht selten stellt das Familienunternehmen dabei das Lebenswerk des bisherigen Inhabers dar.

Dessen muss sich der Nachfolgeberater ebenfalls immer bewusst sein, um mit eventuellen Widerständen des Seniors umgehen zu können.

Was muss ein Nachfolgeberater alles können?

Wie bereits angedeutet, müssen Nachfolgeberater über ein ganzes Portfolio an Fähigkeiten und Kenntnissen verfügen. In der Regel arbeiten sie daher mit einem Team aus verschiedenen Spezialisten zusammen, die Teile der Nachfolgeberatung übernehmen (HR-Spezialisten für die Nachfolgersuche, Steuerberater / Wirtschaftsprüfer für die Bewertung des Unternehmens, Juristen für die rechtliche Absicherung der Nachfolge et cetera).

Neben betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Kenntnissen sollte ein Nachfolgeberater unbedingt auch über ein gutes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen verfügen.

Vor allem die bisherigen Unternehmensinhaber haben oft ein Problem damit, los zu lassen.

Mit den Ängsten, Befürchtungen und Widerständen muss der Nachfolgeberater umgehen können, denn oftmals sind es diese weichen Faktoren, von denen eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge abhängt.

Der Markt für Nachfolgeberater in Deutschland

Der Markt für Nachfolgeberater ist stabil. Wie bereits oben angedeutet, suchen in den kommenden acht bis zehn Jahren circa 131.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgeregelung.

Egal für welche Nachfolgeregelung (interne oder externe Regelung) oder Modell Sie sich entscheiden, die meisten Unternehmen werden die Übergabe kaum ohne professionelle Unterstützung und Beratung bewältigen können.

Darüber hinaus ist die Nachfolgeberatung ein zeitintensiver Prozess, der sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Daher verfügen die meisten Nachfolgeberater nur über begrenzte Kapazitäten.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr professionelle Vermittlungsplattformen für Nachfolgesucher und potentielle Interessenten. Hier ergeben sich interessante Betätigungsfelder für Nachfolgeberater.

Darüber hinaus wird der Unternehmensverkauf und dadurch auch die Nachfolgeberatung durch verschiedene Initiativen wie beispielsweise nexxt-change, eine Unternehmensbörse für Unternehmensnachfolge des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert und unterstützt.

Wer schreibt hier eigentlich und warum?

Mein Name ist Peter Demmler und ich veröffentliche auf www.consultingunternehmen.net seit 2012 regelmäßig Blogbeiträge rund um die Themen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Unternehmensberatung, Karriere und Büroarbeit.

Als bekennender, zeitgeist- und massenkritischer Freidenker interessiere ich mich insbesondere für alle aktuellen Entwicklungen, die einen grundlegenden Einfluss auf unser gemeinschaftliches Zusammenleben ausüben.

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