Beratender Ingenieur – Alles was Sie dazu wissen müssen

Die Berufs- und Standesbezeichnung „Ingenieur“ kennzeichnet die an einer Fachhochschule oder Universität auf einem technischen Gebiet wissenschaftlich ausgebildeten Fachkräfte.

Eine Ingenieursausbildung kann in verschiedenen Fachrichtungen erfolgen und wird mit einem akademischen Grad abgeschlossen.

Während in Deutschland sowohl Ausbildung als auch Berufsausübung sehr streng geregelt sind, gibt es in anderen europäischen Ländern teilweise weitreichende Unterschiede.

Im Zuge des Bologna-Prozesses und der Vergleichbarkeit nationaler Studienabschlüsse wurden auch in Deutschland die international gängigen akademischen Grade Bachelor of Engineering und Master of Engineering eingeführt.

Letzterer soll den nur in Deutschland verliehenen akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs langfristig ersetzen.

Die Aufgaben eines Beratenden Ingenieurs

Beratende Ingenieure erbringen eigenverantwortlich und unabhängig Beratungsdienstleistungen für andere Unternehmen und den öffentlichen Sektor.

Dabei können sie auf allen Gebieten des Ingenieurswesen tätig werden, vor allem aber in den Bereichen Entwicklung, Planung und Betreuung sowie in den Bereichen Kontrolle und Prüfung.

Beratende Ingenieure übernehmen in diesem Zusammenhang auch die Vertretung ihres Auftraggebers, beispielsweise im Rahmen der Wahrnehmung aller Aufgaben innerhalb eines (Teil-)Projektes, die mit dessen Vorbereitung, Leitung und Ausführung sowie der Überwachung und Abrechnung zusammenhängen.

Ein Beratender Ingenieur ist in der Regel eigenverantwortlich tätig, was ein Garant für seine Unabhängigkeit gegenüber Dritten ist.

Das heißt, ein Beratender Ingenieur ist in den meisten Fällen selbstständig, entweder als Einzelunternehmer oder Inhaber einer Kapitalgesellschaft (am häufigsten in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung – GmbH) oder im Rahmen eines Zusammenschlusses mit Anderen und / oder Angehörigen anderer Berufe.

Von einer Eigenverantwortlichkeit ist aber auch dann auszugehen, wenn ein Beratender Ingenieur als leitender Angestellter in einem unabhängigen Unternehmen vornehmlich selbstständige Tätigkeiten und Arbeiten wahrnimmt.

Ebenfalls eigenverantwortlich handellt er, wenn er als Hochschullehrer seiner Beratungstätigkeit im Rahmen einer Nebentätigkeit nachgeht. Die Unabhängigkeit ist für die Ausübung seiner Beratungstätigkeit von großer Bedeutung.

Das heißt, er darf keine Provisionen, Rabatte oder andere Vergünstigungen von Dritten erhalten, die nicht sein Auftraggeber sind. Er darf solche Vergünstigungen weder für sich noch für seine Mitarbeiter annehmen.

Darüber hinaus ist ihm untersagt, eine andere gewerbliche Tätigkeit auszuüben, die im Zusammenhang mit seinen originären Berufsaufgaben stehen.

Die Pflichten eines Beratenden Ingenieurs

Da es sich um eine geschützte Berufs- und Standesbezeichnung handelt, unterliegen die Träger dieser Bezeichnung besonderen Pflichten.

Dazu gehört unter anderem die Pflicht, den Beruf und die damit im Zusammenhang stehenden Erfordernise unter Berücksichtigung gesicherter technischer Erkenntnisse gewissenhaft auszuüben bzw. zu erfüllen.

Vor allem hat ein Beratender Ingenieur alle (gewerblichen) Handlungen zu unterlassen, die gegen die guten Sitten im Wettbewerb verstoßen.

Er muss sich bei der Abrechnung seiner Vergütung an die Honorarordnung in der jeweils geltenden Fassung halten und hat die berechtigten Interessen seines Auftraggebers gegenüber Dritten jederzeit zu wahren.

Leben, Gesundheit und bedeutende Sachwerte Dritter hat der Beratende Ingenieur bei der Ausübung seines Berufes zu achten und zu schützen, sowie die Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse seiner Auftraggeber zu wahren.

Darüber hinaus wird von ihm erwartet, dass er sich so verhält, wie man es von Angehörigen seines Berufsstandes erwarten kann.

Der „Beratende Ingenieur“ ist eine geschützte Berufsbezeichnung

Wie bereits angedeutet, ist die Berufs- und Standesbezeichnung „Beratender Ingenieur“ in Deutschland rechtlich geschützt.

Im (bundes-)deutschen Ingenieursgesetz ist die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ zunächst grundsätzlich gesetzlich geschützt.

Die Bezeichnung „Beratender Ingenieur“ dagegen ist eine kammerspezifische Bezeichnung, die durch die 16 Ingenieurkammergesetze der einzelnen Bundesländer geschützt ist.

Das heißt, als Beratender Ingenieur darf sich nur bezeichnen, wer in der Liste der jeweilig zuständigen Ingenieurkammer eingetragen ist.

Die Ingenieurkammern besitzen ähnlich wie die Industrie- und Handels- und Handwerkskammern einen öffentlich-rechtlichen Status. Sie regeln die berufsständischen Angelegenheiten der Ingenieure in Selbstverwaltung.

Das Ingenieursrecht ist in Deutschland Ländersache, so dass einzelne Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein können.

Daher ist die freiberufliche Tätigkeit der Ingenieure eine länderrechtliche Angelegenheit.

Andere Wortverbindungen, die im Zusammenhang mit der Bezeichnung „Beratender Ingenieur“ stehen, dürfen nur von Personen getragen werden, die auch zum Tragen dieser Berufsbezeichnung berechtigt sind.

Dasselbe gilt auch für die Bezeichnung von Unternehmen und Zusammenschlüssen untereinander oder mit anderen Berufsgruppen.

Da die Bezeichnung „Beratender Ingenieur“ an die Eintragung in die jeweiligen Kammerlisten gebunden ist, sind Beratende Ingenieure immer Pflichtmitglieder der für ihren Wohn- oder Geschäftssitz zuständigen Ingenieurskammern.

Voraussetzungen für die Eintragung in die Liste der Beratenden Ingenieure

Um in diese Liste aufgenommen zu werden, bedarf es einiger Voraussetzungen, da eine Eintragung gleichzeitig auch ein Qualitätsmerkmal ist.

Grundsätzlich muss man zum Tragen der Berufsbezeichnung „Ingenieur“ berechtigt sein, also über einen entsprechenden Hochschul- oder Universitätsabschluss verfügen.

Weiterhin muss man eine mindestens zweijährige (Diplom-Ingenieure und Master of Engineering) beziehungsweise eine vierjährige (Bachelor of Engineering) berufspraktische Tätigkeit als Ingenieur nachweisen können.

Darüber hinaus müssen Antragsteller den Nachweis erbringen, dass sie eigenverantwortlich und unabhängig tätig sind und über eine ausreichende Berufshaftpflichtversicherung verfügen.

In die Liste wird nicht eingetragen, wem nach § 70 Strafgesetzbuch die Ausübung des Ingenieursberufs verboten ist. Das gleiche gilt auch für Ingenieure, denen nach § 35 Abs. 1 Gewerbeordnung die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit als Ingenieur untersagt worden ist.

Ebenfalls von einer Eintragung ausgeschlossen ist, wer wegen eines oder mehrerer Verbrechen oder Vergehen zu einer Strafe verurteilt worden ist und darüber hinaus auch nach Beurteilung des zugrundeliegenden Sachverhalts zur Erfüllung der beruflichen Aufgaben nicht geeignet ist.

Eine Eintragung in die Liste kann solange versagt werden, wie in Folge einer gerichtlichen Anordnung der Antragsteller in der Verfügung über sein Vermögen beispielsweise durch Pfändung beschränkt ist.

Eine Eintragung wird ebenfalls versagt, wenn der Antragsteller in den vergangenen fünf Jahre eine eidesstattliche Versicherung gemäß § 807 Zivilprozessordnung abgegeben hat, ein Kursverfahren gegen das Vermögen des Antragstellers eröffnet wurde oder mangels Masse abgewiesen wurde oder ein Vergleichsverfahren über das Vermögen des Antragstellers zur Abwendung eines Konkursverfahrens eröffnet wurde.

Diese strengen Voraussetzungen dienen der Qualitätssicherung des Berufsstandes und der Versicherung, dass Beratende Ingenieure im Falle von Falsch- oder Fehlberatungen ausreichend berufshaftpflichtversichert sind.

Vertretung der Beratenden Ingenieure

Die Berufsgruppe wird durch den Verband der Beratenden Ingenieure (VBI) vertreten. Mit über 3.500 Mitgliedern ist der VBI eine der führenden Berufsorganisationen in ganz Deutschland.

Darüber hinaus ist er eine der weltgrößten Consultingverbände und Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft und Verwaltung gleichermaßen.

Neben der Eintragung in die Liste bei den zuständigen Ingenieurskammern, stellt die Mitgliedschaft im VBI ein weiteres Qualitätsmerkmal dieser Berufsgruppe dar, da der Verband an seine Mitglieder hohe Anforderungen an die fachliche Qualifikation und ihre Unabhängigkeit stellt.

Wer schreibt hier eigentlich und warum?

Mein Name ist Peter Demmler und ich veröffentliche auf www.consultingunternehmen.net seit 2012 regelmäßig Blogbeiträge rund um die Themen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Unternehmensberatung, Karriere und Büroarbeit.

Als bekennender, zeitgeist- und massenkritischer Freidenker interessiere ich mich insbesondere für alle aktuellen Entwicklungen, die einen grundlegenden Einfluss auf unser gemeinschaftliches Zusammenleben ausüben.

Das selbstständige Denken ist die wichtigste Ressource, die wir Bürger im 21. Jahrhundert haben. Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, den noch bestehenden Spielraum hierfür zu erhalten und erneut zu alter Geistesgröße auszubauen.

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