Die Wirtschaft in Sachsen – Aktuelle Nachrichten und Basiswissen

Sachsen – industrielle Wiege und Land im Umbruch

Der Freistaat Sachsen ist nicht das einwohnermäßig größte der neuen Bundesländer. Und doch, Sachsen mit seinen Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz ist von jeher ein industriell stark geprägtes Land und erwirtschaftete aufgrund seiner guten Wirtschaftsstruktur bereits vor nahezu 100 Jahren ein Viertel des deutschen Bruttosozialprodukts.

Heute ist vielen Besuchern Sachsen das Land vor allem wegen seiner Metropole Dresden bekannt, wo die Frauenkirche, das Gründe Gewölbe und der Zwinger Jahr für Jahr Hunderttausende Gäste hinlocken. Leipzig wiederum ist der Ausgangspunt der friedlichen Revolution in der DDR und deshalb im internationalen Bewusstsein.

Doch tatsächlich sind beide Städte wie das gesamte, rund 4,1 Millionen Einwohner zählende Leuchttürme der industriellen Entwicklung im Osten der Republik und haben den tiefgreifenden Umbau wie kein anderes ostdeutsches Bundesland gemeistert.

Zwar wurden im Freistaat im Juni 2011 rund 219.000 Menschen ohne einen Job gezählt, doch mit einer Arbeitslosenrate von 10,1 Prozent steht Sachsen im Verhältnis zu den anderen neuen Bundesländern außerordentlich gut da. Aber: Sachsen kann im Vergleich der neuen Länder auf das stärkste Wachstum verzeichnen und ist zwischen 2000 und 2010 um 13,9 Prozent gewachsen.

Aus dem traditionell starken Maschinenbau haben sich als Folge des Strukturwandels inzwischen internationale Konzerne aus dem Bereich der Hochtechnologie angesiedelt. Renommierte Unternehmen wie Global Foundries in Dresden, Infineon in Dresden oder Siltronic, aber auch die Applied Materials GmbH haben das Land inzwischen zu einem Zentrum und zu einem Aushängeschild der Mikroelektronik gemacht.

Heute gibt es rund 300 Unternehmen sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, in denen rund 25.000 Menschen beschäftigt sind und die nach zukunftsfähigen Lösungen suchen, aber auch Massenprodukte herstellen.

Sachsen als ein Land mit einer ausgesprochen stark ausgeprägten Identität wirbt gerne mit dem Slogan „Made in Saxony“. Tatsächlich entwickelt sich das Label inzwischen zu einem Exportschlager, mit Glashütte als einem international bekannten Standort für exzellente Uhrmacherkunst hat Sachsen sein Flaggschiff gefunden.

Insgesamt ist es aber auch gelungen, den Anteil der Selbständigen und der Mithelfenden deutlich zu erhöhen. Er konnte in den zurückliegenden zehn Jahren nahezu verdoppelt werden und liegt jetzt bei elf Prozent. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Sachsen wie alle ostdeutschen Länder durch ehemalige staatseigene Betriebe geprägt war und der Mittelstand eine absolut untergeordnete Rolle spielte.

War Sachsen zu DDR-Zeiten ein absolutes Zentrum des in Zwickau ansässigen Automobilbaus, so knüpft der Freistaat heute wieder Schritt für Schritt an diese alte Tradition an. Heute werden Porsche und BMW in Leipzig gebaut, kommt der VW aus Dresden.

Mit mehr als 13 Milliarden Jahresumsatz spielt der Fahrzeugbau für das Land eine herausragende Rolle, zumal sich zu diesen Clustern auch noch zahlreiche Zulieferer und Serviceunternehmen ansiedeln. Aber auch die Bahntechnik spielt eine wichtige Rolle.

Mit mehr als 13.000 Mitarbeitern, der überwiegende Teil von ihnen arbeitet bei Systemlieferanten, ist es dem Land gelungen, wichtige wirtschaftliche Impulse zu setzen. Schließlich spielt auch die Luft- und Raumfahrttechnik, die in Sachsen auf historische Wurzeln verweisen kann, enorm wichtige Rolle. Die Elbe Flugzeugwerke als Tochter des Konzerns EADS forschen und liefern im Rahmen des Konzernverbundes wichtige Erkenntnisse.

Der Maschinenbau – Sachsen gilt historisch als Vorreiter auf diesem Sektor-, stärkt vor allem auch Chemnitz. Nach milliardenschweren Investitionen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung ist es gelungen, die gesamte Region mit besten Technik und idealen Arbeitsbedingungen auszustatten.

Mit einer Exportquote von 42 Prozent kann dieser Sektor auf den absolut höchsten entsprechenden Wert im Freistaat verweisen. Um mit Unterstützung der Staatregierung die Synergien in der Forschung und Entwicklung zu nutzen, wurde eine Verbundinitiative Maschinebau Sachsen gegründet, die Projekte bündelt, Hilfestellung bietet und so auch konkrete Fördermöglichkeiten erschließt.

Von zentraler Bedeutung für die Wirtschaftsstruktur ist auch die Textil- und Bekleidungsindustrie, die zu mehreren Clustern im Bundesgebiet gehört. Mit fast 12.000 Beschäftigten und einer Exportquote von mehr als 25 Prozent ist sie ein wichtiges Standbein für die Sicherung von Arbeitsplätzen. Unter Nutzung hochtechnologischer Prozesse wird insbesondere Textilveredelung betrieben. Außerdem konzentrieren sich die Firmen auf die Herstellung von Umwelttechnik und Sicherheitskleidung.

Aufgrund seiner enormen wirtschaftlichen Entwicklung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts verfügte Sachsen über das dichteste Eisenbahnnetz Europas. Dieses Bahnnetz ist in weiten Teilen modernisiert und erneuert worden, wobei es immer noch einige Schmalspurbahnen gibt, die allerdings eher für touristische Zwecke von Bedeutung sind.

Insgesamt gibt es noch sieben Schmalspurbahnen, diverse Strecken wurden stillgelegt. Parallel dazu werden aber gegenwärtig verschiedene Bahnstrecken für den Schnellverkehr ausgebaut.

Außerdem entsteht unter Leipzig ein Citytunnel, dessen Eröffnung 2013 angestrebt wird. Er soll die Stadt im regionalverkehr entlasten. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Autobahnen. Da Sachsen direkt an die Tschechische Republik grenzt, wird es traditionell stark als Transitstrecke genutzt und ist mit der A4 und der A14 eine gerne genutzte Reiseregion.

Wie Flughäfen binden Sachsen an die internationale Welt an. Während Dresden eher kleiner ist, gibt es mit dem Airport Leipzig/Halle einen Flugplatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. So fliegen dort nicht nur verschiedene Airlines ab. Der Flughafen ist als Drehkreuz für militärische Truppentransporte immer wieder in der Diskussion.

Aber seine Lage am Schkeuditzer Kreuz, dem ersten Autobahnkreuz Deutschlands, sorgte auch für die Ansiedlung wichtiger Logistikunternehmen wie DHL oder dem Onlinehändler Amazon, das dort ein Logistikzentrum betreibt.

Darüber hinaus wird die Binnenschifffahrt zunehmend wichtig. Sachsen verfügt über Häfen in Torgau, Riesa und Dresden, wo insgesamt bereits nahezu 600 Menschen beschäftigt sind. Vor allem wegen der Elbe als Bundeswasserstraße und der Nähe zu Tschechien ist davon auszugehen, dass dieser Bereich weiter wächst.

Mit seiner Raddampferflotte als der ältesten Raddampferflotte der Welt verfügt das Land zudem über eine touristische Attraktion, die Jahr für Jahr von vielen Gästen gern genutzt wird.

Keine Frage: Der Tourismus spielt für Sachsen schon immer eine wichtige Rolle. In der Kombination aus beeindruckender Natur in der Sächsischen Schweiz und dem Zittauer Gebirge sind es vor allem die Großstädte Dresden und Leipzig, die internationales Flair bieten. Leipzig als uralter Handelsstandort lädt noch heute mit zahlreichen Handelsmessen pro Jahr ein. Viele Gäste zieht es aber auch nach Meißen.

Dort gibt es nicht nur ein sehr kleines und feines Weinanbaugebiet, sondern mit der Meißener Porzellan Manufaktur finden Liebhaber ein Unternehmen mit Produkten von Weltrang. Inzwischen kann der Freizeit Sachsen pro Jahr auf mehr als 15 Millionen Übernachtungen verweisen und ist damit eines der in den neuen Ländern am meisten gefragten Ziele.

Die Medienlandschaft ist in Sachsen vergleichsweise üppig ausgeprägt, was nicht zuletzt an der Einwohnerdichte liegt. Neben den Printmedien, die aus den ehemaligen SED-Bezirkszeitungen hervorgegangen sind, gibt es noch diverse Boulevardzeitungen, die um die Leser ringen.

Im Bereich des Fernsehen und des Hörfunks gibt es mit dem Mitteldeutschen Rundfunk eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit Hauptsitz in Leipzig, die das meistgesehen Programm aller Dritten liefert. Dazu kommen noch diverse Hörfunkprogramme, die zudem durch private Anbieter im Radio- und TV-Bereich ergänzt werden.

Dass Sachsen aufgrund des demografischen Wandels zunehmend an Einwohnern verliert, ist ein Trend, den es sich mit allen neuen Ländern teilt. Durch eine konsequente Ansiedlungspolitik und durch attraktive Bildungsangebote versucht der Freistaat jedoch, Studenten aus allen Regionen zu gewinnen. Universitäten in Leipzig und Dresden, aber auch in Chemnitz konstatieren schon seit Jahren steigende Studentenzahlen und sehen dies als positives Signal, was die Entwicklung der gesamten Region angeht.

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