Mecklenburg-Vorpommern Wirtschaft

Mecklenburg-Vorpommern: Region im Umbruch, Traumziel für Touristen
Es gibt kaum ein anderes Bundesland, das so sehr an Wasser und Sonne gebunden, mit einzigartiger Natur gesegnet ist und damit zugleich Jahr für Jahr zu einem beliebten Gastgeber wird wie Mecklenburg-Vorpommern. Im Nordosten der Republik gelegen ist das Bundesland mit seiner Hauptstadt Schwerin eines der am dünnsten besiedelten, aber auch eins, das sich aufgrund seiner landschaftlichen Reize über die wohl meisten Besucher freuen darf. Mit 11,2 Prozent Arbeitslosigkeit gehört Mecklenburg-Vorpommern aber auch zu den Ländern mit der höchsten Arbeitslosigkeit – das ist nicht zuletzt Folge seiner strukturschwachen Entwicklung. Nach dem Wegbrechen des Werftenbaus – eine Folge der deutschen Wiedervereinigung und damit verbundenen dramatischen wirtschaftlichen Umbrüche im Osten – ist der Tourismus heute das wichtigste wirtschaftliche Standbein Mecklenburg-Vorpommerns. Schon immer spielt aber auch die Landwirtschaft eine wichtige Rolle.

Die Nähe zum Meer, die Lage an der Ostsee, spielt über Jahrhunderte für die Menschen Mecklenburgs eine herausragende Rolle, gab vielen in den kleinen und einsamen Fischerdörfern Arbeit und Brot. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts und als Folge der Industrialisierung entdecken die Menschen rings um Berlin die Ostseeküste als Urlaubs- und Tourismusregion. Schon bald wurden aus den kleinen Dörfern bedeutende Badeorte, ob auf Usedom mit seinen Kaiserbädern oder auf Rügen: Badeanstalten entstanden, und die gesamte Region profitierte von dem herrlich klaren Wasser, der reinen Luft und insbesondere von seinen Kurgästen.

So entstanden nach und nach immer größere Orte, die nicht noch heute durch eine längst wieder liebevoll sanierte norddeutsche Bäderarchitektur geprägt sind: In Rostock, Wismar und Stralsund setzte schon bald ein intensiver Schiffbau ein, Werften entstanden und prägten vor allem zu DDR-Zeiten die gesamte Region. So war es insbesondere die Handelsflotte, die der wichtigste Arbeitgeber war, waren es die maritim geprägte Wirtschaft und der Tourismus, die den Menschen wichtig wurden.

Heute sind zu den ehemaligen Unternehmen neue Großbetriebe entstanden. Die Deutsche Seerederei und Scandlines gehören ebenso dazu wie die MMG und die Weiße Flotte als Unternehmen für die Fahrgastschifffahrt. Noch immer gibt es in Rostock, Stralsund und in Wismar Werften, die allerdings nicht mehr die Ausmaße und die wirtschaftliche Bedeutung haben wie zu DDR-Zeiten. Darüber hinaus bietet auch die Hanse Yachts AG in der Hansestadt Greifwald zahlreiche Arbeitsplätze, werden in Rostock durch Liebherr maritime Kräne und andere mobile Einsatztechnik gefertigt. Nach letzten Schätzungen werden durch den maritimen Sektor in Mecklenburg-Vorpommern knapp 30.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Trotz aller großzügigen und intensive Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln, liegt Mecklenburg-Vorpommern heute bei einem Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von etwa 78 Prozent im EU-Durchschnitt. Das gesamte und jährlich produzierte Bruttoinlandsprodukt beträgt 35 Milliarden Euro jährlich. Zugleich versucht das Land durch ein intensives Schuldenmanagement seine Verschuldung weiter abzubauen und sich so den Erfordernissen, die spätestens mit dem Auslaufen des Solidarpaktes im Jahr 2019, anzupassen und schon schnellstmöglich auf wirtschaftlich eigenen Füßen zu stehen.

Natürlich bringen es die geografische Lage und die klimatischen Bedingungen mit sich, das Mecklenburg-Vorpommern auf dem Energiesektor in Deutschland zu den Spitzenreitern gehört, was erneuerbare Energien angeht. Es sind insbesondere Windkraftanlegen, Photovoltaikanlagen für die Solarstromproduktion und Offshoreversuche, die in dem Land zu finden sind. Das Land kann seinen Strombedarf bereits zu 46 Prozent aus Windkraft senken und ist damit auf eine Weise zukunftsfähig, wie das kaum ein anderes Land ist. Zum Ende des Jahres 2011 wurden landesweit fast 1.440 Windkraftanlagen gezählt, die über eine installierte Leistung von mehr als 1,6 MW verfügen. Damit wird zugleich eine Alternative zu dem bereits zu DDR-Zeiten errichteten und später abgeschalteten Atomkraftwerk Lubmin geschaffen.

Zum Energiesektor gehört aber auch die Versorgung mit Erdgas. Durch ein deutsch-russisches Konsortium begleitet endet in der Nähe von Greifswald eine Erdgastrasse, die unterirdisch Gas aus Russland liefert und damit Westeuropa in weiten Teilen unabhängig macht von einem Transit via Polen oder instabile Regionen der ehemaligen Sowjetunion.
Mit seinem eigentlichen Standbein, dem Tourismus, entwickelt sich Mecklenburg-Vorpommern heute zu einem immer attraktiveren Urlaubsland und lockt damit mehr Gäste denn je in den Norden. Mit Usedom, Rügen und der kleinen malerisch gelegenen und verschlafen wirkenden Insel Hiddensee verfügt das Land traditionell über absolute Top-Lagen in Sachen Tourismus. War es bis 1989 nahezu unmöglich, einen Urlaubsplatz zu ergattern, so haben sich heute in allen Orten und auf allen Inseln viele Einheimische selbständig gemacht und bieten neben den renommierten Hotelketten zahlreiche Urlaubsunterkünfte an.

Reetgedeckte Häuschen wechseln sich mit kleinen Ferienwohnungen, moderne Ferienanlagen werden mit viel Liebe in das weitestgehend unter Naturschutz stehende Areal integriert. Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gehört ebenso dazu wie der Nobelkurort Heiligendamm oder das Künstlerdorf Ahrenshoop. Inzwischen problemlos möglich können Urlauber hier alle Vergnügungen erleben, können angeln und segeln, aber auch einfach baden und in den Dünen liegen und die Seele baumeln lassen.

Darüber hinaus hat sich auch der Europaradweg, der auf Usedom bis an die deutsch-polnische Grenze führt, haben Campingplätze und Gutshäuser als touristische Attraktionen etabliert und bewährt. Dass außerdem in dem Rostocker Stadtteil Warnemünde jedes Jahr mehr als 350.000 Passagiere ein Schiff besteigen, hat schließlich dazu geführt, dass die Stadt heute der größte Kreuzfahrthafen der Bundesrepublik geworden ist. Dass aufgrund der konstant hohen Besucherzahlen viele Museen und Theater, Bühnen und Festivals um die Gunst ihrer Gäste ringen, ist folgerichtig. Dabei sind es vor allem die jährlichen Störtebeker-Festspiele in Ralswiek, die seit Jahrzehnten jährlich Tausende Besucher zu einem Spektakel der Extraklasse anlocken. Aber auch die Gastronomie, die täglich fangfrischen Fisch offeriert, erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit.

Angesichts der intensiven touristischen Nutzung des Landes spielt der Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern eine wichtige Rolle. Die neue Ostseeautobahn, die den Westen und den Osten des Landes verbindet, hat die Städte ganz wesentlich vom Durchgangsverkehr entlastet. Eine langfristig geplante Südverlängerung der A14 soll weitere Entlastung bringen und insbesondere Reise aus Sachsen und Sachsen-Anhalt schneller in den Norden bringen. Aber auch die von Hamburg nach Berlin über Mecklenburg-Vorpommern führende Eisenbahnlinie ist eine wichtige Lebensader für das Land und befördert jedes Jahr Tausende Touristen wie Geschäftsreisende.

Ganz klar: Natürlich gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Häfen. Neben Rostock und Wismar, Stralsund und Sassnitz verfügt auch Greifswald über einen solchen. Der Überseehafen Mukran stellt gewissermaßen das Tor zur Welt dar. Außerdem fahren diverse Fähren in den skandinavischen Raum. Schließlich verfügt das Bundesland in Laage bei Rostock noch übe einen Regionalflughafen, der mit Abstand größte und wichtigste für die Region.

Da Mecklenburg-Vorpommern aufgrund seiner infrastrukturellen Besonderheiten und dem hohen Anteil an Landwirtschaft stets nach herausragenden Ideen suchen muss, hat es frühzeitig die Biotechnologie und die Medizintechnik als solche Zukunftstechnologien für sich erkannt. Dies liegt nicht zuletzt in dem Umstand begründet, dass das Land mit seinen beiden alteingesessenen und renommierten Universitäten in Rostock und Greifswald über Einrichtungen verfügt, die in besonderer Weise Forschung und Lehre miteinander verbinden können. So werden in Greifswald beispielsweise Lebensmittel hochwertig veredelt. Zu den beiden Universitäten und den mehreren Hochschulen gibt es noch das private Baltic College, das an seinen Standorten in Schwerin und Güstrow verschiedene Studiengänge anbietet. Insgesamt sind es aber vor allem die beiden Volluniversitäten, die einen deutlichen Studentenzugang zu verzeichnen haben und von der Entwicklung des Wissenschaftsstandortes profitieren. Das ist auch insofern beachtlich, da Mecklenburg-Vorpommern wie alle ostdeutschen Bundesländer als Folge des demografischen Wandels und der innerdeutschen Wanderungsbewegung mit einem beträchtlichen Einwohnerrückgang zu kämpfen hat.

Auf dem Gebiet der Medienpolitik tut sich Mecklenburg-Vorpommern wie alle neuen Bundesländer insbesondere im Bereich der Printmedien schwer. Aufgrund starker Konzentrationsprozesse gibt es nur wenige Tageszeitungen, die zwar alle Gebiete abdecken, sich aber untereinander kaum Konkurrenz machen. Neben verschiedenen privaten Hörfunksendern ist für das Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns der öffentlich-rechtliche Norddeutsche Rundfunk zuständig, der mit diversen Studios in der Region präsent ist. Darüber hinaus gibt es auch noch verschiedene diverse Fernsehsender mit regionalem und lokalem Anspruch. Nicht zuletzt die Filmbranche hat dafür gesorgt, dass da Land wegen seiner herrlichen Optik und seiner oft einzigartigen Landschaft zu einer besonderen Filmkulisse geworden ist und den Hintergrund verschiedener Filmproduktionen liefert.

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