Inhouse Consulting – Alles was Sie dazu wissen müssen

Rund 150 Firmen setzen in Deutschland auf das Thema Inhouse Consulting. In den meisten Fällen sind die rund 2.600 internen Berater dabei in eigenständigen Tochterfirmen organisiert, welche ein Umsatzvolumen von geschätzt 650 Millionen Euro erwirtschaften. Grund genug, das Thema einmal etwas näher zu betrachten.

Inhouse Consulting – was ist das eigentlich?

Der Begriff lässt sich am besten mit „interne Unternehmungsberatung“ übersetzen.

Dies trifft den wesentlichen Kerngedanken sehr gut, da es beim Inhouse Consulting um eine Beratungsdienstleistung geht, die intern, also im eigenen Unternehmen von einer Organisationseinheit für eine andere beziehungsweise die gesamte Firma, erbracht wird.

Inhouse Consulting stellt demnach eine in Firmen angesiedelte Organisationseinheit mit der Aufgabe der hauseigenen Dienstleistungserbringung dar.

Die Beratungsfelder der internen Unternehmensberatung beziehen sich vor allem auf die klassischen Themenfelder einer Unternehmensberatung.

Ein besonderer Schwerpunkt bei der hauseigenen Unternehmensberatung liegt auf der Konzeptionierung und Optimierung der Unternehmensstrategie (Strategiemanagement), Geschäftsprozessen (Prozessmanagement) sowie auf der Aufbau- und Ablauforganisation (Organisationsmanagement).

Inhouse Consulting stößt viele wichtige Prozesse an

Vor dem Hintergrund der Globalisierung und den stetigen Herausforderungen, sowohl in Bezug auf Märkte, Finanzierung und Stakeholder, aber auch Kunden und Produkt-/Dienstleistungsentwicklung gehören zu den Aufgaben des Inhouse Consultings verstärkt auch das Veränderungsmanagement (Change Management) und die Organisationsentwicklung.

In der Praxis dominiert der Begriff „Inhouse Consulting“ gegenüber der deutschen Bezeichnung „interne Unternehmensberatung“.

Die geläufige Berufsbezeichnung ist daher „Inhouse Consultant“. Allerdings ist dieser Begriff im deutschen Recht nicht geschützt.

Das heißt, wie auch bei externen Beratern kann sich grundsätzlich jede unternehmensinterne Organisationseinheit als Inhouse Consulting bezeichnen.

Was spricht für ein Inhouse Consulting?

Die Idee des Inhouse Consultings entstand zunächst aus Kostengründen. Ab einer bestimmten Größe einer Organisation wird es kostengünstiger einen oder mehrere dauerhaft zu engagieren als sich ständige neue Externe ins Haus zu holen.

Darüber hinaus spielt der Vertraulichkeitsaspekt im Rahmen eines dauerhaften Engagements einen bedeutenden Faktor gegenüber einem zeitlich begrenzten Engagement Externer.

Ebenfalls wesentlich für das Inhouse Consulting spricht, dass ein interner Unternehmensberater einen enormen Wissensvorsprung vor einem Externen hat.

Das heißt, ein Interner kennt sich mit den formellen und informellen Strukturen eines Unternehmens sowie dessen Anforderungen, Bedürfnissen und Besonderheiten bereits bestens aus.

Dadurch entfällt die teilweise zeitraubende und für die beauftragende Firma kostenintensive Einarbeitung des Beraters.

Interne Berater stecken also schon in der Materie drin und wissen worum es geht. Sie können daher schnell passgenaue Lösungen anbieten.

Die internen Berater sind oftmals besser akzeptiert

Für Inhouse Consulting spricht außerdem, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens einen Hauseigenen eher akzeptieren und mit ihm zusammenarbeiten.

Damit diese Akzeptanz im gesamten Unternehmen auch erhalten bleibt, ist die interne Unternehmensberatung in der Regel als Stabsstelle organisiert.

Dadurch erhält diese eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den anderen Organisationsteilen des Unternehmens, die sie beraten sollen.

Daher sollte das Inhouse Consulting auch als Stabsstelle organisiert sein und bestenfalls über einen eigenen Etat sowie über Weisungsbefugnisse verfügen.

In der Praxis ist in vielen Großunternehmen das Inhouse Consulting als Stab der Unternehmensstrategie organisiert.

Was spricht gegen ein Inhouse Consulting?

Viele Vorteile sprechen sogleich gegen sie. Hauseigenen Beratern wird im Gegenzug zu unternehmensfremden Beratern oftmals eine gewisse Betriebsblindheit vorgeworfen („blinder Fleck“).

Inhouse Consultants können aufgrund ihrer Stellung und arbeitsrechtlichen Beziehung zum Unternehmen die Organisation als solches nicht neutral bewerten.

Daher besteht die realistische Gefahr, dass Interne unpopuläre Vorschläge und Kritik vermeiden.

Hinzu kommt, dass interne Unternehmensberater ein Teil der Organisation und deren Struktur sind und daher kaum den Blick eines außerhalb der Organisation stehenden Beraters haben.

Das heißt, als Organisationseinheit könnte Inhouse Consulting als ein Teil des Problems betrachtet werden.

Die Gefahr der Betriebsblindheit ist ständig präsent

Entgegengehalten werden kann der durchaus berechtigten Kritik, dass in vielen Organisationen mit Inhouse Consulting die Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen sowie der Einsatz von Mitarbeitern, die über externe Beratungserfahrung verfügen, dafür sorgen würden, dass Betriebsblindheit auf ein Minimum reduziert wird.

Externe Impulse, beispielsweise durch Benchmarking, Orientierung an Best Practices oder Kooperationen mit externen Beratungsdienstleistern und Hochschulen, würden ebenfalls zur Vermeidung oder wenigstens Reduzierung von Betriebsblindheit führen.

In Großunternehmen sind die internen Berater fest etabliert

Der Erfolg einer hauseigenen Unternehmensberatung ist grundsätzlich abhängig von der Situation des Unternehmens selbst, sowie beispielsweise die bereits oben angedeuteten Strukturen und Arbeitsweisen der Inhouse Consultants.

Darüber hinaus lassen sich weitere Erfolgsfaktoren identifizieren, die zu einem gelingenden Inhouse Consulting beitragen.

Im Unternehmen sollte sich das Inhouse Consulting als professioneller Dienstleister positionieren.

Das heißt, es sollte eine Rolle einnehmen, die Mitarbeiter, Führungskräften und das Management die hauseigenen Berater als Experten akzeptieren lassen.

Dazu gehört auch, dass die interne Unternehmensberatung konkurrenzfähig zu externen Dienstleistern ist.

Die internen Berater werden zunehmend extern aktiv

Nicht selten werden erfolgreiche Inhouse Consultants eines Unternehmens als Externe in andere Organisationen geschickt. Dadurch tut sich für viele Unternehmen ein weiteres Geschäftsfeld auf.

Ein weiter wesentlicher Erfolgsfaktor des Inhouse Consultings ist, dass die hauseigenen Berater umfassende und erfahrungsgeprägte Kenntnisse über das eigene Unternehmen auf allen wichtigen Beratungsfeldern wie Strategie-, Prozess- und Organisationsmanagement verfügen.

Dadurch verkürzen sich die Antrittszeiten im Projekt wesentlich. Die Hauseigenen werden in der Organisation schneller verstanden und akzeptiert.

Im Gegensatz zu fremden Beratern können Sie schneller passgenaue Lösungen anbieten sowie deren Umsetzung steuern.

Inhouse Consulting bietet die höchstmögliche Vertraulichkeit

Darüber hinaus wird durch den Einsatz von Inhouse Consultants die Vertraulichkeit in Bezug auf unternehmensspezifische Informationen gegenüber Dritten gewahrt. Das Wissen des Unternehmens bleibt auch im Unternehmen.

Ihr Einsatz macht eine Organisation unabhängig von externen Unternehmensberatungen und Dienstleistern. Dies trägt dazu bei, dass beispielsweise die Beratungskosten eines Unternehmens insgesamt sinken.

„dichter dran“ – Initiative deutscher Inhouse-Consulting-Einheiten

Aktuell 16 Inhouse Consulting Organisationseinheiten deutscher Unternehmen haben sich zu der Kampagne „dichter dran“ zusammengeschlossen.

2008 wurde die Initiative von sieben Unternehmen gegründet. „Dichter dran“ verfolgt das Ziel, einen Einblick in die Arbeit interner Unternehmensberatungen zu gewähren.

Dadurch soll grundsätzlich in der Öffentlichkeit ein deutliches Profil des Inhouse Consultings geschaffen werden.

Darüber hinaus dient sie auch der Rekrutierung neuer Bewerber, die so bereits eine Vorstellung über das Arbeitsfeld Inhouse Consulting bekommen.

Hierfür wurde ein gemeinsamer Internetauftritt geschaffen, der sowohl für die Öffentlichkeit als auch für potentielle Bewerber als Informationsplattform dient.

Interessenten finden hier unter anderem Beraterprofile von Inhouse Consultants, Fallstudien und weiterführenden Informationen zu den Mitgliedsunternehmen.

Ein kontinuierlicher Austauschprozess ist das Ziel

Um der oben bereits thematisierten Gefahr der Betriebsblindheit entgegenzuwirken, hat die Initiative „dichter dran“ darüber hinaus das Ziel, einen kontinuierlichen unternehmens- und branchenübergreifenden Austausch der Mitglieder der Initiative zu initiieren und zu begleiten.

Dafür werden unter anderem Benchmarks durchgeführt, sich über verschiedene, neue und / oder innovative Beratungsansätze ausgetauscht, regelmäßige Weiterbildungsseminare und Workshops organisiert und durchgeführt.

Die folgenden Unternehmen sind bereits Mitglied

Mitglieder der Initiative sind aktuell die Allianz („Allianz Inhouse Consulting“), BASF („BASF Management Consulting“), Bayer („Bayer Business Consulting“), Bosch („Inhouse Consulting BSH Bosch und Siemens Hausgeräte“), Commerzbank (Commerz Business Consulting“), Deutsche Bahn („DB Management Consulting“), Deutsche Bank („Deutsche Bank Inhouse Consulting“) ,Deutsche Post AG („Deutsche Post DHL Inhouse Consulting“), Deutsche Telekom („Center for Strategic Projects“), E.ON („E.ON Inhouse Consulting“), KfW („Internes Consulting KfW Bankengruppe“), RWE („RWE Consulting“) und Volkswagen AG („Volkswagen Consulting“).

Wer schreibt hier eigentlich und warum?

Mein Name ist Peter Demmler und ich veröffentliche auf www.consultingunternehmen.net seit 2012 regelmäßig Blogbeiträge rund um die Themen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Unternehmensberatung, Karriere und Büroarbeit.

Als bekennender, zeitgeist- und massenkritischer Freidenker interessiere ich mich insbesondere für alle aktuellen Entwicklungen, die einen grundlegenden Einfluss auf unser gemeinschaftliches Zusammenleben ausüben.

Das selbstständige Denken ist die wichtigste Ressource, die wir Bürger im 21. Jahrhundert haben. Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, den noch bestehenden Spielraum hierfür zu erhalten und erneut zu alter Geistesgröße auszubauen.

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