Eine Frauenquote für Führungspositionen – Pro und Contra

Das Thema einer Frauenquote für die Wirtschaft und hier insbesondere für das Management wird immer wieder heiß diskutiert. So warb zum Beispiel die EU-Kommissarin Viviane Reding lange Zeit für die Einführung einer solchen Quote. Dem steht eine aktuelle, international vergleichende Studie der Unternehmensberatung McKinsey gegenüber, welche die Fürs und Widers einer generellen Frauenquote untersucht und zu dem Schluss kommt, das eine allgemeine Quote abzulehnen ist.

Individuelle Förderprogramme versus gesetzliche Quote

Vielmehr muss es für Unternehmen darum gehen, individuelle Förderprogramme fest in die Unternehmensstrategie zur Personalentwicklung einzubauen. Schließlich liegt es im Interesse eines jeden Unternehmens selbst, seinen Fach- und Führungskräftebedarf nachhaltig zu decken. Die Gleichberechtigung von Frauen im Berufsleben ist fast jedes Jahr ein Thema in der Politik. Immer wieder wird versucht, gezielt Frauen in Managementpositionen zu etablieren, doch nach wie vor ist der Anteil an weiblichen Führungskräften sehr niedrig.

Diese Situation findet sich jedoch im gesamten europäischen Raum wieder, was mittlerweile nicht nur von Frauenbewegungen stark bemängelt wird, sondern auch von politischer Seite. In den Fokus der politischen Diskussionen rückt deshalb immer stärker das Thema eine Frauenquote einzuführen.

Einige Länder haben dies bereits gemacht, wie etwa Norwegen. Hier funktionierte diese Lösung bisher sehr gut, doch Prognosen bescheinigen dieser Quote keine guten Zukunftsaussichten. Dann könnte, wie es bereits bei einigen Ländern der Fall war, diese gesetzliche Regelung wieder gekippt werden. Es gibt zahlreiche Gründe die für und gegen eine Frauenquote im Management sprechen.

Was spricht gegen Frauen im Management?

Auf den ersten Blick spricht vermutlich nicht viel gegen eine Frauenquote im Management, bei genauerer Betrachtungsweise doch sehr viel. Obwohl es die typischen Klischees sind, sprechen gerade diese gegen Frauen wie etwa eine Schwangerschaft.

Die meisten Frauen wollen oder haben bereits Kinder und gerade im Management kann auf eine qualifizierte Führungskraft nicht verzichtet werden und auch nicht so schnell ein geeigneter Ersatz für eine gewisse Zeit gefunden werden.

Ein weiterer Punkt ist die Qualifikation, denn obwohl der Bildungsstandard in Europa sehr hoch ist, hinken Frauen bei den fachlichen Kompetenzen, die für eine Spitzenposition notwendig sind, noch immer hinterher.

Das Einführen einer Frauenquote würde somit bedeuten, dass Unternehmen nicht mehr die am besten qualifizierten Personen aussuchen könnten, sondern aufgrund einer Quote, eine weniger geeignete Frau einstellen müssten.

Dies kann auf lange Sicht sogar wirtschaftliche Einbußen bedeuten, falls ein Unternehmen nicht gut geführt wird – egal ob es sich hier um eine Frau oder einen Mann handelt.

Ein weiteres Problem liegt in den Softskills von Frauen, denn Positionen auf Führungsebenen sind nicht einfach zu bekommen. Durchsetzungsvermögen und Belastbarkeit sind notwendige Voraussetzungen und natürlich müssen häufig persönliche Belange hinten angestellt werden.

Nur wenige Frauen wollen diese Last auf sich nehmen und sind dem dann auch gewachsen. Hier haben meistens Männer den Vorteil, da sie eine Frau haben, die zu Hause das „Management“ übernimmt und er sich voll auf seine berufliche Karriere konzentrieren kann.

Was spricht für Frauen im Management?

Trotz zahlreicher Argumente gegen Frauen in Führungspositionen gibt es viele Argumente, die für Frauen sprechen. Zumal sich bereits viele Frauen erfolgreich im Management bewiesen haben. Sie bringen zunehmend die nötige fachliche Qualifikation mit und können sich behaupten und haben zudem noch Softskills, die vielen männlichen Kollegen fehlen.

In erster Linie bekleiden Frauen im Management eine Vorbildfunktion. Nicht nur für andere Frauen, sondern auch für die Mitarbeiter, denn ihr Interesse gilt primär der Firma und nicht dem persönlichen Vorteil.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau beispielsweise gegen Bestechung schlechte Entscheidungen für das Unternehmen bewusst trifft, ist geringer als bei männlichen Mitarbeitern.

Außerdem können Frauen mit Konflikten oftmals ausgleichender umgehen und diese lösen. Natürlich ist ein gemischtes Management immer besser als wenn es einseitig geschlechtlich besetzt wird. Hier bilden sich Synergieeffekte, von denen Männer und Frauen profitieren und in Folge dessen natürlich auch das Unternehmen.

Und wie sinnvoll ist eine Frauenquote nun?

Ob eine Quotenregelung sinnvoll ist oder nicht, daran werden sich wohl immer die Geister scheiden. Eine Regelung würde sicher vielen Frauen die Chance auf Positionen in der Führungsebene geben, die Ihnen bisher verschlossen waren.

Jedoch sollte eine Quote kein Sprungbrett für die Karriere sein. Zudem würde eine Quote besser qualifizierten Männern gerade diese Karriere verwehren beziehungsweise diese erschweren.

Sinnvoller wäre es vermutlich, den Fokus verstärkt auf die Gleichberechtigung in Bezug auf die Qualifikationen und das Gehalt zu legen. Denn noch immer werden Frauen für die gleichen Tätigkeiten schlechter bezahlt.

Die Politik muss geeignete Rahmenbedingungen schaffen

Will man eine Frauenquote einführen, müssen die geeigneten Rahmenbedingungen, wie sie beispielsweise im Vorzeigeland Norwegen geschaffen wurden, vorhanden sein.

Dazu zählt in erster Linie, das Interesse der Frauen für Betriebswirtschaft und Technik bereits im Kindesalter zu fördern, denn hier wird der Grundstein für den zukünftigen Bildungsweg gelegt. Mädchen, die bereits als Kleinkind mit der „männlichen Welt“ in Berührung kamen, tendieren stärker dazu sich später genau solche Berufe auszusuchen.

Ein weiteres Problem der Frauen ist häufig persönliches Understatement, weshalb sie sich während der Ausbildung häufig schon im Hintergrund halten. Damit verbunden sind häufig schwache Softskills, wie Durchsetzungsvermögen und der nötige Ehrgeiz um eine Position zu kämpfen. Diese sollten ebenfalls verstärkt gefördert werden.

Nach wie vor großer Nachholebedarf bei Kinderbetreuung

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und hierbei insbesondere das Dauerthema der Kinderbetreuung. Noch immer gibt es zu wenig geeignete Einrichtungen für die Betreuung von Kindern.

Häufig schließen Kindertagesstätten zu mittags, der Arbeitstag der Frau geht jedoch länger und nur ein Teil der Tagesstätten bieten eine Betreuung am Nachmittag an.

Ein weiteres Problem ist die Betreuung von Kleinstkindern. Zwar wurde mit den Vätermonaten ein erster Schritt gemacht, doch gibt es beispielsweise zu wenig Tagesmütter, die sich um Kinder vor dem Eintritt in den Kindergarten kümmern.

Ein weiterer Punkt, der mit der Einführung der Frauenquote angesprochen werden muss, ist die Schaffung von Heimarbeitsplätzen. Hier könnten sich Frauen bei Bedarf um ihre Kinder kümmern und zudem ihrer Arbeit nachgehen.

Auf diesem Wege könnten geeignete Rahmenbedingungen für eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen geschaffen werden. Denn eine Frauenquote alleine schafft keine gleichen Voraussetzungen zwischen den Geschlechtern.

Erst die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Qualifikationen eröffnen Frauen einen einfacheren Weg in Führungspositionen, von denen viele Unternehmen nur profitieren können.

Datum der letzten Aktualisierung

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Eine Antwort auf „Eine Frauenquote für Führungspositionen – Pro und Contra“

  1. Einen guten Beitrag zur Diskussion um die Frauenquote lieferte vor Jahren Peter Jedlicka mit seinem Büchlein „Gender Balance“ – fand ich interessant, obwohl es offensichtlich ein Self Publishing Produkt ist – er ist jedenfalls Pro-Frauenquote, und das ist ja bei Männern keine Selbstverständlichkeit …

    Johann Karbel

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