Existenzgründungsberatung – alles was Sie wissen müssen

Eine Existenzgründungsberatung begleitet Existenzgründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Diese können solche Beratungsleistungen vor, während und bis zu fünf Jahre nach der Gründung in Anspruch nehmen.

Bei der Existenzgründerberatung werden Gründer auf verschiedene Aspekte der Selbstständigkeit vorbereitet.

Das geht los bei der Entwicklung der Geschäftsidee, dem Schreiben eines Businessplans, Unterstützung bei der Beantragung verschiedener Fördermöglichkeiten, Vorbereitung auf das Bankgespräch sowie der betriebswirtschaftlichen Vorbereitung auf die Selbstständigkeit (Buchhaltung, Marketing, Investitionsrechnung, Steuern und Abgaben et cetera).

Allgemeine Entwicklung der Existenzgründungen in Deutschland

Deutschland ist nicht unbedingt ein Land der Gründer. 2011 betrug die Zahl der Existenzgründer circa 400.000 und ist damit erstmals seit 2008 wieder gesunken. Auch für 2012 wird erwartet, dass die Zahl der Existenzgründungen weiter zurückgehen wird.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zum einen könnte es daran liegen, dass der Gründungszuschuss, auf den jeder Existenzgründer bis 2011 einen Rechtsanspruch hatte, seit Beginn diesen Jahres nur noch eine Ermessensleistung ist und die zur Verfügung stehenden Gelder zur Förderung einer selbstständigen Tätigkeit drastisch reduziert wurden.

Seit 2012 sind die durch die Agentur für Arbeit geförderten Existenzgründungen drastisch eingebrochen, teilweise um über 80 Prozent im Vergleich zu 2011.

Auf der anderen Seite ist Deutschland keine Gründernation. Das heißt, die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland verläuft indirekt proportional zur wirtschaftlichen Gesamtentwicklung.

Daher lässt sich folgendes Phänomen beobachten: Wächst die Wirtschaft und nimmt damit auch die Zahl der Arbeitsplätze zu, verringert sich die Zahl der Selbstständigen.

Nimmt dagegen die wirtschaftliche Entwicklung ab und steigt die Zahl der Arbeitslosen, so steigt auch die Zahl der Existenzgründungen.

Für viele Menschen stellt die Selbstständigkeit bisher nur ein Mittel dar, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Die Selbstständigkeit wird bislang nur von wenigen Menschen als erstrebenswerte Alternative zum hauptberuflichen Angestelltenverhältnis angesehen.

Dafür spricht auch die anhaltend hohe Zahl der nebenberuflich Selbstständigen. Das sind Menschen, die einem festen Hauptberuf nachgehen und nach Feierabend noch eine nebenberufliche Tätigkeit ausüben.

Dabei gilt Deutschland als eines der Länder mit den meisten und umfassendsten Angeboten zur Aufnahme einer Selbstständigkeit.

Anbieter von Existenzgründerberatungen

Der Markt für Existenzgründungsberatung ist geprägt durch eine große Vielfalt. Neben staatlichen Stellen bieten auch Kammern und Verbände, Vereine, Dienstleistungsunternehmen und freie Berater Existenzgründerberatung an.

Arbeitsagenturen und Industrie- und Handelskammern sind die Fixpunkte im Markt

Auf staatlicher Seite findet man vor allem die Agenturen für Arbeit. Allerdings findet hier eine Beratung eher in Form von Erstgesprächen und bei Inanspruchnahme des Gründungszuschusses statt. Ansonsten wird die Agentur für Arbeit nur vermittelnd tätig.

Das heißt, wenn ein arbeitsloser Existenzgründer Bedarf an Schulungen, beispielsweise im betriebswirtschaftlichen Bereich anmeldet, um mit der Existenzgründung erfolgreich sein zu können, kann der Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit den Antragsteller in entsprechende Qualifikationsmaßnahmen vermitteln.

Als Berater selbst wird sie in der Regel jedoch nicht tätig. Verbände und Kammern wie etwa die örtlichen Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern bieten ebenfalls umfassende Beratungsdienstleistungen an.

Das heißt, hier werden Existenzgründer nicht nur mit Informationen zur Existenzgründung versorgt, sondern die Verbände und Kammern treten auch als Anbieter von Weiterqualifikationsmaßnahmen auf.

In der Regel bieten sie nicht nur spezielle vorbereitende Kurse und Trainings zur Existenzgründung für ihre Mitglieder an, sondern auch allgemeine Qualifizierungsmaßnahmen für existenzgründungswillige Interessenten, die nicht unbedingt ihre Selbstständigkeit in einem Berufsfeld der jeweiligen Kammer bzw. Verband aufnehmen wollen.

Vielfältiges Angebot an privater Existenzgründungsberatung

Existenzgründungsberatung in Form von freien Dienstleistungen ist die dritte Säule in der Beratung von Existenzgründern. Hierbei handelt es sich meist um Berater, die ihre Dienstleistung als freiberufliche Selbstständige anbieten.

Freie Existenzgründungsberater haben den Vorteil, dass sie unabhängig von Institutionen oder Anbietern handeln können.

Außerdem findet die Beratung in aller Regel nicht in Gruppenformaten wie etwa bei Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen bei der Agentur für Arbeit oder den lokalen Industrie- und Handels- beziehungsweise Handwerkskammern sondern als Einzelberatung statt.

Dadurch können sich die Existenzgründungsberater voll und ganz auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Klienten konzentrieren.

Darüber hinaus kann der Existenzgründungsberater seinen Klienten vor, während und nach der Gründung durchgehend begleiten und intensiv beraten.

Allerdings hat so eine intensive Begleitung auch ihren Preis. Während die Angebote der Arbeitsagentur in der Regel an Arbeitslose gerichtet ist und im Rahmen der Vorbereitung auf die Existenzgründung kostenlos ist, profitieren Gründer bei den Kammern und Verbänden von Vergünstigungen und entsprechend ermäßigten Preisen.

Einen einzelnen Existenzgründungsberater müssen die Gründer dagegen selbst bezahlen, können dabei aber auch entsprechend die Inhalte mit den Beratern aushandeln und den zeitlichen Umfang selbst bestimmen.

Existenzgründungsberatung als Beruf

Für die Ausübung des Berufs Existenzgründungsberater gibt es keine vorgeschriebene curriculare Ausbildung. Demnach gibt es auch keine offizielle Akkreditierung oder staatliche Zertifizierung beziehungsweise Anerkennung für diesen Beruf und die Bezeichnung ist rechtlich auch nicht geschützt.

Als Existenzgründungsberater kann sich demnach jeder bezeichnen. Allerdings gibt es einige Kriterien, nach denen Sie die Qualität eines Beraters beurteilen können.

Zunächst einmal sollte der Berater Ahnung von dem haben was er weitergibt. Das heißt, er sollte nicht nur selbst selbstständig sein, sondern möglichst bereits mehrere Existenzgründungen erfolgreich begleitet haben beziehungsweise entsprechende Hospitationen bei erfahrenen Beratern absolviert haben und nachweisen können.

Darüber hinaus kann ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund des Beraters nicht schaden.

Das heißt, er sollte über Qualifikationen in Betriebswirtschaft verfügen, die er beispielsweise im Rahmen eines Studiums, aus beruflicher Erfahrung oder im Rahmen von Weiterqualifizierungen erworben hat und entsprechend an den Existenzgründer weiter vermitteln kann.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Zulassung als Existenzgründungsberater an der Beraterbörse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Hier müssen die akkreditierten Existenzgründungsberater gewisse Qualifikationen und Erfahrungen nachweisen, um als Existenzgründungsberater an der KfW-Beraterbörse akkreditiert zu werden.

Berater, die hier gelistet sind, sind unter anderem auch dazu berechtigt, am Gründercoaching Deutschland teilzunehmen.

Das heißt, Sie können sich die Honorare ihrer Berater für die Beratungsleistungen bei der KfW wiederholen. Neben der Akkreditierung an der KfW-Beraterbörse können sich Berater auch bei Landesinstituten als Existenzgründungsberater listen lassen.

Die Förderinstitute der Länder haben zum Teil gleiche und teilweise abweichende Anforderungen wie die KfW-Bank.

Fördermöglichkeiten für eine Existenzgründungsberatung

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten und -programmen für Existenzgründer. Die verschiedenen Programme auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und Branchen.

Existenzgründerberater sollten sich mit den wesentlichen Förderprogrammen auskennen, um den Gründern entsprechende Förderprogramme vorschlagen zu können und bei der Beantragung zu unterstützen.

Gründer verlieren bei der Vielzahl an Programmen und deren Voraussetzungen schnell den Überblick, so dass die meisten auf externe Unterstützung angewiesen sind.

Darüber hinaus haben die meisten Gründer in der heißen Phase der Existenzgründung keinen Kopf mehr dafür, um sich auch noch um diese Aspekte zu kümmern.

Dabei sind die Programme mit teilweise fünf- bis sechsstelligen Euro-Beträgen verbunden, die bei vielen eine wesentliche Finanzierungsbasis darstellen.

„Gründercoaching Deutschland“ ist erster Anlaufpunkt

Das Programm „Gründercoaching Deutschland“ ist das wohl bekannteste und wichtigste Programm für Existenzgründer. Die Mittel für das Gründercoaching Deutschland kommen vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und werden von der KfW-Bank vergeben.

Das Programm enthält u.a. Zuschüsse für die qualifizierte Beratung durch Existenzgründerberater bis zu fünf Jahre nach der Gründung und Zuschüsse von 90 Prozent oder maximal 4.500 Euro für Beratungshonorare, Unterstützung bei Fragen in Bezug auf Finanzen, Organisation und Wirtschaft im Rahmen der Existenzgründung und Unterstützung bei der Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Darüber hinaus ist dieses Programm – wie viele andere auch – mit weiteren Fördermitteln kombinierbar.

Im Rahmen des Gründercoaching Deutschland werden Beratungsleistungen von akkreditierten Beratern der KfW-Beraterbörse gefördert.

Durch eine qualifizierte Beratung können die Aussichten für eine erfolgreiche Existenzgründung wesentlich verbessert werden.

Eine solche Beratung kann sich beispielsweise auf die Optimierung des Businessplans beziehen, auf Finanzierungsgespräche bei Banken und Investoren vorbereiten, zur Entwicklung von Marktanalysen, Vertriebskonzepte oder eines internen Controllings beitragen oder das eigene Personalwesen helfen zu optimieren.

Ausgeschlossen vom Gründercoaching Deutschland sind allerdings Beratungsleistungen vor der Gründung, Rechts-, Versicherungs- und Steuerberatung, Erstellung von Verträgen und Jahresabschlüssen, die Gestaltung, Erstellung und der Vertrieb von Werbematerialien und Internetauftritten sowie die Beschaffung von Software und Durchführung von Schulungen für EDV-Anwendungen.

Gemeinsame Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums und der KfW-Bank gibt umfassenden Überblick

Vor der Existenzgründung können sich Gründer ebenfalls bereits beraten lassen. Die Kosten dafür werden jedoch nicht durch das bundesweite Gründercoaching Deutschland getragen.

Dafür haben die verschiedenen Bundesländer eigene Angebote entwickelt, um auch die Vor-Gründungsberatung zu unterstützen.

Wer nicht mehr in den Genuss des Gründercoaching Deutschland kommen kann oder nicht dessen Voraussetzungen erfüllt, kann sich trotzdem nach der Gründung durch Unternehmensberatungen beraten lassen.

Der Bund bietet in diesem Zusammenhang Zuschüsse auf die Beratungsleistungen an.

Dieses Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen sowie Freie Berufe.

Voraussetzung ist, das Unternehmen besteht schon mindestens ein Jahr am Markt beziehungsweise ist im Rahmen einer Unternehmensnachfolge vom alten auf den neuen Inhaber übergegangen.

Weitere Voraussetzungen sind, dass das Unternehmen weniger als 250 Personen beschäftigt, der Jahresumsatz nicht mehr als 50 Millionen Euro beziehungsweise die Jahresbilanzsumme nicht mehr als 43 Millionen Euro beträgt.

Die Schwellenwerte beziehen sich dabei auf den letzten durchgeführten Jahresabschluss des Unternehmens.

Der maximale Zuschuss zu den Unternehmensberatungskosten beträgt in den alten Bundesländern 50 Prozent beziehungsweise in den neuen Bundesländern 75 Prozent des Beratungshonorars und maximal 1.500 Euro.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und die KfW-Bank haben eine umfassende Förderdatenbank aufgebaut, in denen sich potentielle Gründer und Existenzgründerberater über die aktuellen Förderprogrammen des Bundes und der Länder informieren können.

Fazit

Obwohl die Zahl der Existenzgründungen derzeit stagniert beziehungsweise sogar rückläufig ist, ist der Markt für Existenzgründungsberater groß. Vor allem in den (Groß-)Städten gibt es eine Vielzahl von Beratern.

Studien und Statistiken haben gezeigt, dass Existenzgründungen mit einer qualifizierten Beratung in der Regel erfolgreicher und dauerhafter sind als Gründungen ohne Beratung.

Bei der Auswahl der Berater sollten Gründer durchaus genau hinschauen, denn wie überall gibt es auch hier schwarze Schafe.

Die KfW-Beraterbörse ist ein Instrument, um eine kritische Vorauswahl zu treffen.

Gegebenenfalls sollte die endgültige Entscheidung erst nach einem Erstgespräch fallen, denn nicht nur die Qualifikation muss stimmen, sondern auch die Chemie zwischen Berater und Existenzgründer.