Brandenburg Wirtschaft

Die Wirtschaftsstruktur Brandenburgs
Das Bundesland Brandenburg zählt zu den wirtschaftlich schwächsten Regionen Deutschlands. Was man aus den Klischees über Ostdeutschland hört, erreicht in vielen Punkten in Brandenburg seine Höhepunkte: Mangel an Ausbildungsplätzen und freien Stellen sowie wenige wirtschaftlich wichtige Standorte und Niederlassungen machen das Bild insgesamt aus. Allerdings steht es um Brandenburg auch nicht so schlecht, wie man meinen könnte, denn seit 2006 entspannt sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt wieder und es existieren durchaus Betriebe, in denen Brandenburger Arbeit finden. Selbst über attraktive und deutschlandweit wichtige Standorte wie Potsdam als Hightech-Zentrum verfügt das Bundesland – es zeichnet sich insgesamt ein sehr wechselhaftes Bild ab, ein Bild der Extreme zu beiden Enden hin.

Die brandenburgischen Industriekerne
Brandenburg ist gekennzeichnet durch einige wenige Industriekerne und Regionen, in denen wirtschaftlich sehr wenig passiert. Entlang der A 10 rund um das Bundesland Berlin, das Brandenburg vollständig umschließt, liegen viele dieser gesicherten Kerne, außerhalb derer sich sehr wenig tut. Besonders wichtig sind die Städte Eisenhüttenstadt an der Oder in der Nähe der polnischen Grenze sowie Brandenburg an der Havel: dort befinden sich seit jeher Stahlwerke. Auch die industrielle Fertigung ist in Brandenburg durchaus noch aktiv, es gibt Niederlassungen der ZF Friedrichshafen und Rolls-Royce, die Getriebe herstellen. Mercedes-Benz hat sogar ein ganzes Autowerk in Ludwigsfelde eröffnet, VW ein Ersatzteilewerk. Weitere Schwerpunkte liegen in Schwedt/Oder, wo es eine Erdölraffinerie gibt. Wichtig ist auch Frankfurt/Oder als industrieller Standort, dort sind zwei Solarfabriken angesiedelt und die ganze Region hofft, dadurch bekannter und attraktiver zu werden. Noch ältere industrielle Zweige sind die metallverarbeitenden und chemischen Industrien (BASF) sowie der Braunkohle-Tagebau, die inzwischen unter der Leitung von Vattenfall Europe weiter geführt werden. In neuerer Zeit hat sich der Süden Brandenburgs durch eine große Zahl logistischer Betriebe interessant gemacht.

Brandenburg außerhalb der industriellen Kerne
Die Probleme Brandenburgs, die man aus dem Fernsehen und aus Doku-Soaps kennt, beginnen fernab der industriellen Kerne und entstehen natürlich durch die hohe Arbeitslosigkeit auch schon in ihnen. Außerhalb der beliebten Industriestandorte herrscht jedoch ein besonders bitterer Kampf ums tägliche Überleben, da sich hier kaum neue Betriebe ansiedeln – es sei denn, die Bürger werden selber aktiv und gehen unter die Gründer. Außerhalb der industriellen Kerne konzentriert man sich auf traditionelle Wirtschaftszweige, beispielsweise auf die Landwirtschaft und das Holzgewerbe. Es gibt beispielsweise in Eberswalde eine Fachhochschule, die forstwissenschaftliche Studiengänge aus diesem Grund anbietet und sich damit europaweit einen Namen gemacht hat, auch wenn die entsprechenden Studiengänge eher Orchideenfächer bleiben. Landwirtschaftlich hat Brandenburg seine Nische im Anbau von genetisch modifiziertem Mais gefunden: Über 99% der deutschen Anbaufläche befinden sich ohnehin in den östlichen Bundesländern, rund 50% davon liegen in Brandenburg. Die Regionen außerhalb der Städte sind darüber hinaus aus ästhetischer Hinsicht sehenswert, woraus sich Brandenburg ebenfalls eine neue Möglichkeit geschaffen hat: Das Bundesland konzentriert sich verstärkt auf die Erhaltung und die touristische Entwicklung dieser Randgebiete und versucht, den dort ansässigen Einwohnern im Tourismus zu neuen Arbeitsplätzen zu verhelfen.

Der Biotech-Standort Potsdam
Passend zur landwirtschaftlichen Orientierung Brandenburgs hat es eine bekannte Stadt geschafft, sich auf dieser Basis noch bekannter zu machen: Potsdam. Man kennt die Stadt als Standort edler Villen und als Wohnort, der wohlhabendere Brandenburger anzieht, doch was man nicht unbedingt kennt, ist die Relevanz als Biotech-Standort. In Potsdam haben sich etliche Forschungsunternehmen angesiedelt, die auch durchaus bekannt sind und aus der Stadt mehr machen als nur einen ansehnlichen Wohnort. Insgesamt handelt es sich dabei um 160 Unternehmen mit 3.200 direkt Beschäftigten, was Potsdam sogar in ganz Europa zu einem der bedeutendsten Biotech-Standorte macht.

Gründer in Brandenburg
Die Arbeitsmarktsituation in Brandenburg gestaltet sich nicht etwa aufgrund mangelnder Qualifikation der Einwohner so schlecht, sondern alleine dadurch, dass es gar nicht so viele Arbeitgeber gibt, die Personalbedarf haben. Das wiederum bedeutet, dass es durchaus kompetente Arbeitskräfte in Brandenburg gibt, die sich über eine Arbeitsstelle freuen würden – aber wenn es diese nicht gibt, machen sie sich selbständig. Brandenburg hat zwar keine Gründerszene, die mit der wirtschaftlich starker Standorte zu vergleichen ist, und doch wird es von der Regierung gerne gesehen und natürlich auch gefördert, wenn sich Einwohner selbständig machen oder ein größeres Unternehmen gründen möchten. Deswegen zeichnet sich Brandenburg durch besonders viele Neugründungen aus; insbesondere Selbständige aus dem Dienstleistungs- oder Handelssektor versuchen von Brandenburg aus ihr Glück. Viele erfolgreiche Unternehmen siedeln langfristig jedoch nach Berlin um, da die Hauptstadt als Standort attraktiver wird, je erfolgreicher und größer die neu gegründete Firma wird. Die neuen Gründungen in den Startlöchern sind allerdings nach wie vor in Brandenburg anzutreffen und werden auch trotz der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt nicht weniger, denn etwas anderes bleibt den Brandenburgern heutzutage kaum übrig.

Brandenburg und die erneuerbaren Energien
Bereits jetzt ist Brandenburg durch die relative Nähe zur Ostsee ein beliebter Standort für Windräder. Das Flächenland ist auch für andere Formen sehr gut zu gebrauchen, da in Teilen kaum Menschen leben und diese freien, flachen Ebenen optimal zur Energiegewinnung nutzbar wären. Unter dem Stichwort „Energiestrategie 2030“ hat Brandenburg es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 50% alternativer Energie im Energiemix vorweisen zu können. Der Endenergieverbrauch soll gleichzeitig um 23% sinken und die Traibhausemissionen um 73%. Damit hat sich das Bundesland höhere Ziele als der ganze Bund gesetzt, die vermutlich nicht zu erreichen sein werden, da de facto immer noch stark auf Braunkohle gesetzt wird. Dafür werden in Brandenburg jedoch Bio-Ethanol und Bio-Diesel in großem Umfang produziert, fast 50% des Bundesbedarfs stammen von hier – zumindest in dieser Hinsicht lässt sich Brandenburg also als Standort alternativer Energien und Treibstoffe vermarkten.

Was spricht für Brandenburg als Standort?
Entscheidend für die Entwicklung der Wirtschaftsstruktur sind natürlich die Pull-Faktoren, die Unternehmer und Betriebe davon überzeugen könnten, in Brandenburg ansässig zu werden. Aktuell gilt das Bundesland als wirtschaftlich eher leerer Standort, in dem immer noch auf unrentable Zweige wie die Land- und Forstwirtschaft sowie auf die fertigende und produzierende Industrie gesetzt wird, denn dies sind die Betriebe, die man vermehrt in Brandenburg antreffen wird. Eine Ausnahme bildet lediglich der Biotech-Standort Potsdam. Das ist natürlich auch der brandenburgischen Regierung aufgefallen, und so versucht sie, durch die klassischen Wege Unternehmen und Betriebe dazu zu bewegen, sich in Brandenburg anzusiedeln. Bei der Gewerbesteuer gibt es niedrigere Hebesätze als an den meisten anderen deutschen Standorten und die öffentlichen Haushalte investieren im Sinne der antizyklischen Fiskalpolitik. Dadurch gibt es in Brandenburg tatsächlich viele Unternehmensgründungen und auch dementsprechende Initiativen wie Businessplan-Wettbewerbe, die jungen Gründungen helfen sollen, schneller auf die Beine zu kommen. Insbesondere wissenschaftliche Betriebe hätten in Brandenburg einen idealen Standort gefunden, denn während die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung bundesweit eher rückläufig sind, wird hier in sie investiert – und das nicht nur in Potsdam.

Was spricht gegen Brandenburg als Standort?
Trotz der an sich attraktiven Möglichkeiten Brandenburgs herrscht eine starre Bürokratie, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Da sich das natürlich herumspricht, sehen viele Firmen letztendlich davon ab, hier eine Niederlassung zu eröffnen oder zu gründen. Immerhin wünschen sie sich Zeitersparnis durch flache Hierarchien und bekommen diese an anderen Standorten problemlos. Auch die Arbeitsproduktivität lässt in Brandenburg zu wünschen übrig, andernorts wird die gleiche Arbeitsleistung produktiver verrichtet.

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